Das grosse Schachbrett: Japan + USA gegen China

Chinas Einfluss werde wachsen, es ist ein mächtiges Reich mit einer langen Tradition, versteht sich als „das Reich der Mitte“, also als Center der Welt schlechthin, das führt Brzezinski seitenlang aus.

Auch Japans historische Rolle und seine Optionen nehmen einen breiten Raum ein, die Expertise beschreibt folgende Ergebnisse:

  • Japan ist ein Protektorat der USA, besiegter Feindstaat, der sich unter dem Schutz der USA wirtschaftlich aufschwingen konnte, aber geopolitisch ein Zwerg ist.
  • Deutschland sei anders, es wolle in Europa aufgehen, aber Japan habe diese Option nicht: China und Korea hassen Japan, Russland und Japan können wegen besetzter Inseln seit 1945 (Kurrilen) nicht miteinander.
  • Brzezinski folgt Samuel Huntington: Der Kulturkreis ist der Chinesische, Japan gehört nicht dazu. Es hat seinen eigenen Mini-Kulturkreis, bestehend (nur) aus Japan. Inseln sind anders… und ticken anders. (gefällt mir bei GB sehr gut, was die unselige EU betrifft).

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ASEAN ist nicht die EU, schreibt Brzezinski zutreffend: Die mögen sich alle nicht besonders, Muselstaaten mit Buddhisten, das geht nicht zusammen, und Vietnam und Thailand, das klappt auch nicht so recht… Kambodscha und Laos sind eher prochinesisch, Thailand und Phillippines proamerikanisch, von einer politischen Allianz ist ASEAN 1000 Jahre entfernt… die USA als Ordnungsmacht, mit schwindendem Einfluss der USA, das sehen auch die ASEAN Staaten.

Heute kann man das feststellen, 1997 war das eine gewagte Prognose. Aber keine falsche.

Einerseits wollten Kräfte in Japan souverän(er) werden gegenüber den USA, andererseits können nur die USA den japanischen Wirtschafts-Weltmachtstatus schützen.

Alle vier [japanischen] Richtungen stimmen in einer regionalen Schlüsselfrage überein: daß eine stärker multilaterale asiatisch-pazifische
Zusammenarbeit in Japans Interesse ist. Eine solche Zusammenarbeit könnte mit der Zeit in dreierlei Hinsicht Früchte tragen: durch sie kann
China eingebunden (und auch auf raffinierte Weise in Schranken gehalten) werden; sie kann die USA dazu bewegen, auch dann in Asien präsent zu bleiben, wenn ihre Vormachtstellung schwindet, und sie kann zum Abbau anti-japanischer Ressentiments beitragen und damit Japans Einfluß stärken

Die Anti-China-Koalition (siehe Legende der Karte) sei gefährlich und ende irgendwann in einem Konflikt…

da sich die geopolitischen Interessen [Chinas] mit denen des amerikanisch-japanischen Bündnisses auf gefährliche Weise überschneiden zöge wahrscheinlich irgendwann, im Sinne einer self-fulfilling prophecy, einen Zusammenstoß mit China nach
sich.

Da empfiehlt sich ein Blick auf das, was 2015 ist:

China zieht rote Linie für einen Krieg mit den USA

Florian Rötzer 27.05.2015

In einem Weißbuch für militärische Strategie schaltet China von Verteidigung auf „aktive Verteidigung“ um und spricht von „Neo-Interventionsimus“

Russland und China… erst recht eine Allianz dieser Staaten könnte die USA gefährden: Juli 2015:  http://www.welt.de/politik/ausland/article143475402/Die-USA-fuerchten-Krieg-mit-diesen-Laendern.html

Die USA müssten sich anpassen, die Lage ändere sich zu ihren Ungunsten, die USA müssten in Fernost ähnlich verfahren wie in Zentralasien (Gas/Öl/Kaspisches Meer):

Amerikas Anpassung
an die geopolitische Lage

Das Bemühen, sowohl mit Japan als auch mit China zurechtzukommen und ein tragfähiges Dreiecksverhältnis aufrechtzuerhalten, das auch Amerika miteinbezieht, wird das diplomatische
Geschick und die politische Phantasie der Amerikaner auf eine harte Probe stellen.

1997. Sehen wir 2015 die Anfänge des Scheiterns dieser „Containment-Politik“ (Eindämmung Chinas)? Letztlich ginge es um die Wiedervereinigung Chinas mit Taiwan, die die USA nur einem demokratischen China erlauben dürften, welches die Menschenrechte achtet. Auch seien die geopolitischen Folgen für die USA fatal, sollte China sich Taiwan mit Gewalt einverleiben. Das könne Krieg bedeuten.

Wenn China prosperiert und zur Demokratie findet und wenn seine Einverleibung
Hongkongs nicht zu einer Rückentwicklung in der Men-schenrechtsfrage führt, würden die USA mit einem von ihnen angeregten ernsthaften Dialog zwischen Peking und Taipeh über die Bedingungen einer Wiedervereinigung zudem Druck auf eine  fortschreitende   Demokratisierung innerhalb Chinas ausüben und wären somit einer umfassenderen strategischen Einigung mit einem Großchina förderlich.

Wird nicht klappen. Ist eine der Sollbruchstellen amerikanischer Hegemonie.

Hier ist die Zweite:

Korea, der geopolitische Dreh- und Angelpunkt in Nordostasien, könnte erneut zum Zankapfel zwischen Amerika und China werden, und außerdem wird seine Zukunft unmittelbare Auswirkungen auf das  amerikanisch-japanische Verhältnis haben. Solange Korea geteilt und anfällig für einen Krieg zwischen dem instabilen Nordkorea und dem immer reicher werdenden Süden ist, werden US-Streitkräfte auf der Halbinsel stationiert bleiben müssen. Jeder einseitige Abzug der USA würde wahrscheinlich nicht nur einen neuen Krieg heraufbeschwören, sondern wohl auch das Ende der amerikanischen Militärpräsenz in Japan einläuten. 

Erinnert an das Ende der französischen Kolonialherrschaft in Indochina, das Peter Scholl-Latour als Soldat miterlebte.

Interessante Sichtweise:  http://www.welt.de/geschichte/article127710149/Dien-Bien-Phu-die-letzte-Schlacht-der-Waffen-SS.html

Koreas Wiedervereinigung dürfte jedoch ernste geopolitische Probleme aufwerfen. Sollten amerikanische Streitkräfte in einem wiedervereinigten Korea stationiert bleiben, würden die Chinesen sie unweigerlich als gegen ihr Land gerichtet betrachten.

Die USA haben die berechtigte Sorge, dass es ihnen in Korea ähnlich ergehen könnte wie den Franzosen damals. Wenn denn China das so will. Dann lohnte sich laut Brzezinski auch keine US-Militärpräsenz in Japan mehr. Der Pazifik würde chinesisch, und Japan wäre isoliert. Es könne nur die Aussöhnung mit Korea und mit China betreiben, müsse dieses sogar tun. Hehre Wünsche?

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