Stauffenberg 20.7.1944, Sabotage statt Unvermögen?

Es gibt da diesen Vortrag von Wolfgang Eggert zum verratenen Widerstand:

Dann gibt es da dieses böse Buch:

Beides hatten wir schon mal hier im Blog:

Waren die gefeierten Widerständler gegen Hitler in Wahrheit feige Dilettanten?

Bei den 12 Kommentaren sind durchaus Highlights vorhanden. Man ahnt, warum Lars Steinke bei der JA rausflog… bzw. wo er das her hatte… Stauffenberg ein Verräter... geht gar nicht, sowas.

Was mir immer schon komisch vorkam war die Verwendung einer englischen Bombe, die prompt versagte. Wieso mussten deutsche Offiziere im Krieg auf eine englische Bombe zurück greifen, statt bei all der ewig langen Vorbereitungszeit eine eigene, zuverlässige Bombe zu bauen? Die hatten doch Pioniereinheiten in Hülle und Fülle die sowas jederzeit hinbekommen hätten!

Wer jubelte den Offizieren diese nicht wirksame Bombe unter?

Dazu gibt es Neuigkeiten:

Wurde das Attentat sabotiert?

das ist ein must read.

Ein Leser schickte mir dazu einen Link auf diesen Text eines Werner Rügemer bei den Nachdenkseiten. Da geht es nämlich vertieft und die Frage, welche Rolle die Briten in diesem Attentatsvorhaben spielten, und warum sie die Attentäter nicht unterstützten – und welche Rolle die USA dabei spielten.

Es wird ein weitgehend unbekanntes Fass aufgemacht:

Werner Rügemer ließ sich von den Feiern zum 20. Juli 1944 dazu animieren, etwas genauer zu recherchieren, wer beim Widerstand insgesamt noch im Spiel war: der US-Geheimdienst OSS und Allen Dulles. Seinen für die NachDenkSeiten geschriebenen Text schickte er mit dieser Anmerkung: „ich fand es wieder interessant, wie aufschluss- und ertragreich solche historischen untersuchungen sind und die herrschenden legenden so unheimlich billig gestrickt sind. und das ist alles gar nicht so aufwendig zu recherchieren. man braucht in diesem fall nur das offen verbreitete – freilich schnell vergessene – buch des geheimdienst-chefs lesen.“ Albrecht Müller.

Der US-Geheimdienst OSS unter Allen Dulles führte während des Krieges Informanten bei den Verschwörern des 20. Juli

Da war sie wieder, die (imo absolut zutreffende) Verschwörungstheorie, demnach Geschichtsschreibung die Lüge sei, auf die man sich geeinigt habe…

Der US-Geheimdienst Office of Strategic Services (OSS). Europachef Allen Dulles hatte den Widerstand von links bis rechts mit Informanten durchsetzt. Ziel: Der Widerstand durfte keinen Erfolg haben, denn der hätte nur „den Russen“ genützt und möglicherweise zu Friedensverhandlungen geführt. Die Feindschaft des Westens gegen die Sowjetunion mit der Gefahr eines neuen Krieges hatte spätestens schon 1943 begonnen – eine Kontinuität bis heute.

Das hat was.

Das Attentat hätte also Briten und Amerikanern die Strategie verhagelt und Deutschland den Russen überlassen.

Danisch gleitet dann etwas ab, aber es ist schon ziemlich genial, als Ganzes. Und Dieter Stein würde bitterlich weinen, wäre es wahr.

Also ist die Frage, ob das Attentat wirklich an zu wenig Sprengstoff oder einem zu stabilen Besprechungstisch gescheitert ist, oder ob es aus militärisch-strategischen Gründen sabotiert wurde. Von jemandem, der in der Attentätergruppe war und dafür sorgen konnte, dass der Sprengsatz nur Puff machte, oder jemandem, der dort irgendwie anwesend war und Hitler irgendwie in Sicherheit gebracht hat.

Holla die Waldfee, haben wir es etwa mit „sabotierten Verrätern“ bzw. mit „verratenen Helden“ zu tun?

Je nach Sichtweise, schon klar, aber ich muss zugeben, das mit der Sabotage durch einen Verräter innerhalb es Widerstandes hat was.

Weil es Unverständliches verständlich machte, so es denn stimmte.

8 Gedanken zu „Stauffenberg 20.7.1944, Sabotage statt Unvermögen?“

  1. Das Eggert-Interview ist ja tatsächlich interessant und überraschenderweise auch in sich logisch.

    Ich frage mich immer, was solche Leute dazu leitet, über eine globale Endzeitsektenverschwörung zu fabulieren…

  2. Sicherlich ganz interessant und gut unterlegt, was der Rügemer da gefunden hat. Allerdings hat er eine arg linke Brille auf, die den Blick doch sehr trübt. Das alles sieht nach marxistischem Geschichtsbild aus – die guten Russen, die trotz des bösen Überfalls und der menschenfressenden faschistischen Bestien Deutschland immer noch lieb hatten und es fördern wollten – herrje! Und er will auf der anderen Seite das doch Offensichtliche nicht sehen: Briten und Amerikanern ging es nicht um Hitler und die Nazis, sondern um die Zerstörung des Deutschen Reiches und maximal darum, es nicht den Russen zu überlassen, weil man es selbst ausplündern wollte. Gerstenmaier hat es später begriffen, Rügemer wohl noch immer nicht.
    Abschließend immer wieder uneigennützig und gern der Hinweis auf die Roewer-Trilogie „Unterwegs zur Weltherrschaft“.

    1. Deutschland stand quasi kurz davor, die Russen durchzuwinken an die Kanalfront. Darauf muß man nicht nur erstmal kommen, man muß auch bereit sein, es zu glauben. Da darf innerlich nicht mehr viel leben.

      Und Danisch ist für jeden Spaß zu haben. Soziologen braucht man nicht, Historiker auch nicht, es gibt ja ihn. Eine 2 Seiten lange wenn-dann-Kette, und voilà, Geschichte neu geschrieben. Da geh ich gar nicht ins Detail – einiges ist ja interessant und berechtigt.

      Bei sowas werd ich sauer.

      „Da war sie wieder, die (imo absolut zutreffende) Verschwörungstheorie, demnach Geschichtsschreibung die Lüge sei, auf die man sich geeinigt habe…“ dem pflichte ich daher bei.

    2. Die „guten“ Russen boten 1952 eine Wiedervereinigung an. Anders ausgedrückt: Als Ergebnis des Zweiten Weltkriegs haben Amerikaner sich in unser Rückgrat gebohrt, dass es unmöglich erscheint, diese je wieder loswerden.

      1. 1. Das Angbeot enthielt nicht die geraubten deustchen Ost-Gebiete!!
        2. Damals waren die Sowjets wenig vertauenserweckend nach dem, was sie seit 1945 überall angestellt hatten.
        3. Hätte man ja mal ausloten können, aber -wie lange Jahre bis 1969, danach neue Ost-Politik der SPD/FDP- hat die Adenauer-CDU -aus welchem Grund -formalistisch-verbohrt (Alleinvertretungs-Anspruch) oder gezielt-antideutsch- fast alles sabotiert, was eine Annäherung an die SBZ/DDR und ihre Deutschen gefördert hätte.
        PS. – Die CDUler waren damals in vielem so (nazihaft!) autoritär und verbohrt, was auch den Haß vieler unterdrückter junger 68er-Deutschen auf diese Leute und das Deutschtum erklärt, daß mein Vater, strammer CDU-Wähler, mich so um 1968, als ich das DDR-freundliche Blatt konkret in der Familienwohnung las beim Heimatbesuch in den Semesterferiein, anschrie (und auf den Tisch haute!): „Die DDR ist kein Staat!“

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