„Unternehmen Asasel“ Das strategische Grundkonzept I

zuerst erschienen auf: http://karl-heinz-hoffmann.com/aktuell.html

Rückblick auf 1979/80, im März 2015

Das „Unternehmen Asasel“ folgte einer strategischen Idee. Jede Idee findet ihren Anfang im Hirn eines Einzelnen. Zur praktischen Umsetzung braucht der Visionär geeignete Ideenträger. Das ist nicht anders wie im Wirtschaftsleben, wo der Erfinder zur Verwirklichung seiner Idee auf die Finanziers als Träger der Idee angewiesen ist. Die praktische Umsetzung einer Idee ist aber nicht nur von den materiellen Möglichkeiten abhängig, sondern auch vom Vorhandensein einer Bedarfssituation. Auf dem unsichtbaren Feld der geheimdienstlichen Psychopolitik war der Boden für das „Unternehmen Asasel“ aufnahmefähig vorbereitet.

An der gesellschaftspolitischen Situation der Bundesrepublik hat sich seit Jahrzehnten kaum etwas geändert. Auf eine einfache Formel gebracht, heißt das: Es gibt nach wie vor für die Geheimdienste Handlungsbedarf im Hinblick auf alle Bestrebungen, die auf die Unabhängigkeit der Deutschen von ausländischer Bevormundung abzielen.

Wirtschaftlich geht es um die Aufrechterhaltung der Abhängigkeit vom global vagabundierenden Kapital. Diese kann aber nur aufrechterhalten werden, wenn das ausländischen Mächten gewaltunterworfene Herrschaftssystem intakt bleibt. Weil nur dieses Herrschaftssystem die hintergründige Einflussnahme der Kapitalgesellschaften gewährleistet. Zwei Staaten haben ein besonderes Interesse an der Aufrechterhaltung der politischen Herrschaftsverhältnisse: Die Vereinigten Staaten von Amerika und Israel. Für die Israelis kommt mit dem Problem des Antisemitismus noch eine Besonderheit hinzu. Wobei im hier zur Debatte stehenden „Asasel“-Komplott, wohl eher das durch die Vertreibung der Palästinenser entstandene Problem des Vorhandenseins arabischer Befreiungsbewegungen eine vorrangige Rolle gespielt haben dürfte.

Ich bin jahrzehntelang davon ausgegangen, dass sowohl für die Idee als auch für die Durchführung des Oktoberfestattentates nur die Israelis unter Einbeziehung deutscher Geheimdienste verantwortlich waren. Diese Einschätzung habe ich 1980 in Beirut für den Sicherheitsdienst der El Fatah in einer Fall-Analyse schriftlich zusammengefasst. Das Papier gelangte damals über den Sicherheitsoffizier der Fatah, Atef Byseiso zum MfS der DDR. Diese Fallanalyse ist heute für jedermann zugänglich.

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Ich meine auch heute noch, dass ich mich in der grundsätzlichen Beurteilung der Hintergründe des Oktoberfestattentats nicht geirrt habe. Dennoch muss ich einige Abstriche machen. Damals bin ich von der Urheberschaft des Mossad ausgegangen. Heute sehe ich das in dieser Ausschließlichkeit nicht mehr. Und zwar deshalb nicht, weil ich inzwischen eine wichtige Erkenntnis gewonnen habe, die ich damals nicht hatte. Ich meine die gesicherte Erkenntnis, dass der Mann, der mich in den Libanon lotste, im Auftrag des BND gehandelt hat.

Heute würde ich den Ideengeber und Konstrukteur des „Asasel“-Grundkonzeptes nicht in Israel suchen. Das soll aber nicht heißen, dass ich den Israelis Dispens auf der ganzen Linie erteile.

Der Mossad muss das Vernichtungskonzept auf jeden Fall gekannt und gebilligt haben, und darüber hinaus gehe ich, ohne diesen Vorwurf konkret beweisfähig machen zu können, davon aus, dass der letzte blutige Akt des unwürdigen, menschenverachtenden Spiels von einer Kidon-Einheit vollzogen wurde.

Niemand wird jemals herausfinden können, wer am 26.September des Jahres 1980 den Explosivkörper auf der Theresienwiese zur Zündung gebracht hat. Ebenso wenig wird nie geklärt werden, wer die Bombe gebaut und zum Tatort gebracht hat. Dieser Handlungsabschnitt des Verbrechens liegt im Dunkeln, aber die aktive Tatbeteiligung von BND und Verfassungsschutzämtern ist gut nachvollziehbar und in weiten Teilen beweisbar.

Ich werde darauf achten, bei der weiteren Erläuterung der geheimdienstlichen „Arbeitsgemeinschaft“ deutlich zu unterscheiden, zwischen beweisbaren Fakten und vernünftig nachvollziehbaren Schlussfolgerungen. Wenn ich gelegentlich eine Vermutung äußere, dann wird sie als solche kenntlich gemacht und begründet.

Ich habe gute Gründe, davon auszugehen, dass die Idee zum „Unternehmen Asasel“ von dem Top-Geheimdienstagenten Werner Mauss erdacht wurde. Seine führende Rolle bei der Umsetzung ist auf jeden Fall beweisfähig.

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Im Amt hieß der Mann nur „M“. Wenn er durchs Haus ging, mussten vorher die Türen zugemacht werden. Niemand durfte auf dem Flur sein. „M“ war das bestgehütete Geheimnis des Bundeskriminalamtes.

Aber Mauss mischte bei allen geheim arbeitenden Behörden mit.
Frank Peter Heigl, ehemaliger Beamter des Bundeskriminalamtes und späterer Journalist berichtet, er habe Mauss das erste Mal 1979 in der BKA Außenstelle in der Biebricher Allee in Wiesbaden gesehen.
(Quelle: Stefan Aust)

Diese Anmerkung verdient besondere Beachtung, weil nämlich Frank Peter Heigl ein Jahr später im September 1980 vom Chef des bayerischen Verfassungsschutzes und ehemaligen BND-Mann Dr. Langemann mit gefälschten Berichten zum Oktoberfestattentat gefüttert worden war. Dieser Sachverhalt ist erwiesen und amtsbekannt.

Es fällt auf, wie sich mit der Bekanntschaft von Werner Mauss, Frank Peter Heigl und Dr. Langemann der Kreis schließt. Alle drei kannten sich und waren an jeweils einer anderen Stelle, aber im Zusammenhang mit dem Oktoberfestattentat involviert.

Zu einem nicht mehr genauer bestimmbaren Zeitpunkt suchte der Top-Agent Mauss unter falschem Namen den Kontakt zu mir. Nach telefonischer Vereinbarung traf ich mich mit ihm in einem Café in Heroldsberg. Es dürfte in der Zeit November oder Dezember 1979 gewesen sein. Der genaue Zeitpunkt ist mir nicht mehr erinnerlich, weil das Gespräch damals für mich uninteressant war. Seine Antrittslegende war der Vorschlag, den WSG-Männern eine Möglichkeit zum Drachenfliegen bieten zu können.

An die Person Mauss und das Gespräch erinnere ich mich aber deshalb so gut, weil mir an ihm eine Besonderheit aufgefallen war. Mauss hatte sich eine Haarverpflanzung machen lassen. Seine Kopfhaut war mit kurzen, eingepflanzten Haarbüscheln übersät. Es sah aus wie ein Schrubber. Mauss hatte sich wohl damals einen persönlichen Eindruck von mir machen wollen, bevor er weitere Schritte unternahm. Ich hatte diesem Treffen früher nie eine Bedeutung zu gemessen, erst als mir das Zusammenspiel des Agenten Mauss mit Albrecht bekannt wurde, konnte ich einen Zusammenhang erkennen.
(Eigene Wahrnehmung)

Um die Jahreswende 1979/80 trat Werner Mauss unter dem Tarnnamen Jung mit dem im November 1979 aus langjähriger Haft entlassenen Rechtsextremisten Udo Albrecht in Kontakt. Mauss offenbarte sich Albrecht gegenüber zunächst nicht, ließ aber erkennen, dass er die besten Beziehungen zu Behörden habe. Etwas später machte er keinen Hehl mehr aus seiner nachrichtendienstlichen Tätigkeit.

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Albrecht erzählte ihm von seinen Plänen, Kraftfahrzeuge in den Nahen Osten zu verkaufen. Mauss bot ihm dafür seine Unterstützung an, aber nur für den Fall, dass Albrecht ihm wirtschaftliche und politische Informationen aus dem Libanon und Syrien liefern würde. Albrecht ging darauf ein.

Im Verlauf der Besprechungen erklärte Albrecht, dass er auf jeden Fall bei der Beschaffung interessanter Nachrichten behilflich sein könne. Er berichtete unter anderem von einer Persönlichkeit in einflussreicher Position, die er als Quelle anzapfen könne. Der Mann sei BMW-Liebhaber. Wenn man ihm eine BMW-Luxuslimousine liefern könnte, wäre das der nachrichtendienstlichen Abschöpfung dienlich.

Der Name dieses in einflussreicher Position befindlichen Palästinensers wird in der mir zugänglichen Quelle nicht genannt. Aber aus den mir bekannten Umständen darf als sicher gelten, dass es sich um Atef Byseiso handelte. Anfänglich hatte Werner Mauss zugesagt, einen von Albrecht zu beschaffenden BMW zu finanzieren, zog aber dann diese Zusage wieder zurück. Die Gründe dafür kann ich vermuten, sie spielen aber keine Rolle.
(Quelle für die Umstände der Kontaktaufnahme des Top-Agenten Werner Mauss mit Udo Albrecht: Stefan Aust, Mauss ein deutscher Agent, Hoffmann und Campe).

Albrecht klaute einfach eine BMW-Luxuslimousine, mit der er eine Zeit lang in Deutschland herumfuhr, um sie dann im Frühjahr 1980 per Achse nach Beirut zu verbringen. Das verlief nicht ganz ohne Zwischenfall. An der jugoslawischen Grenze war die Fahrt erst einmal zu Ende. Der BMW war international zur Fahndung ausgeschrieben. Die jugoslawischen Grenzer hatten das Fahrzeug etwas genauer unter die Lupe genommen und bei der Überprüfung der Fahrgestell-Nummer festgestellt, dass der Wagen gestohlen war. Udo Albrecht wurde festgenommen. Doch lange brauchte er nicht zu warten, bis er weiterfahren konnte. Er holte sich Hilfe aus Beirut. Ein „hochrangiger“ Palästinenser erreichte bei den Behörden in Belgrad, dass Albrecht samt gestohlenem Auto weiterfahren durfte.

Der einflussreiche Palästinenser, den es für den BND abzuschöpfen galt, war Atef Byseiso. Ich kannte den BMW, weil Albrecht kurze Zeit vorher bei mir in Heroldsberg damit vorgefahren war. Später im Libanon erkannte ich dieses, nun im Besitz des Atef Byseiso befindliche Auto sofort wieder. Damit ist erwiesen, dass mit dem Palästinenser in einflussreicher Position, der von Albrecht im Gespräch mit Werner Mauss zur Sprache kommt, niemand anderer als Atef Byseiso gemeint sein konnte.

(Der voranstehende Bericht beruht auf persönlich gewonnenen Erkenntnissen. Eine Vertrauensperson von mir war bei dem Vorkommnis an der jugoslawischen Grenze anwesend.)

Die Tatsache, dass der Allround-Geheimagent Werner Mauss den Rechtsextremisten und PLO Vertrauten Udo Albrecht, noch vor dem Jahresende 1979 mit erpresserischen Mitteln gefügig gemacht und als Agent und Provokateur angeworben hatte, geht aus einem Schreiben, welches Albrecht später aus der Haft an den damaligen Innenminister Baum gerichtet hatte, eindeutig hervor und ist somit bewiesen.
(Quelle: Stefan Aust)

05.03.2015
Karl-Heinz Hoffmann

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Gundolf Köhler kam zwar aus der DDR, aber er war nicht als Agent eingeschleust

Als Bundesinninminister ist es nicht nötig, von Sachverhalten Ahnung zu haben. Im Gegenteil, die schadet bloss, 1981 wie auch 2011 ff.:

baum2

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14342725.html

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Interessant ist dabei, dass Baum diesen Satz nicht 1 oder 2 Tage nach dem Oktoberfest-Attentat zum Besten gab, sondern darüber aktuell am 29.06.1981 berichtet wurde, also 9 Monate nach dem Anschlag.

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Wahr ist: Geboren in Schwenningen, Neckar, nicht in der „Zone“…

gk-perso

Gundolfs Vater stammte ja aus der DDR, oder aus der Zone, wie wir sagten

http://oktoberfest.arbeitskreis-n.su/schuelerzeitung-kaenguru-erinnerungen-an-gundolf-koehler/

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Sehr interessant bei der Suche nach dem Besitzer der gefundenen Hand, deren Fingerabdruck auf Studienunterlagen Gundolf Köhlers gefunden wurde, siehe voriger Beitrag:

Wir haben ihn nie richtig erreicht. Er war ein bisschen scheu, man hat ihn nicht in seinem Zimmer aufgesucht, außer das eine, letzte Mal… er war immer bei den anderen zu Gast.

(nach einem Bericht von Axel Heinzmann)

http://oktoberfest.arbeitskreis-n.su/schuelerzeitung-kaenguru-erinnerungen-an-gundolf-koehler/

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Wer war die Braune RAF 1978-1982 eigentlich, und woher kam sie?

Kurz rekapituliert: Auch aus der WSG Hoffmann, so schreibt Fromm in seiner Dissertation 1998, aber erst durch das WSG-Verbot im Jan 1980 wurden einige Ex-Mitglieder radikalisiert. Die WSG Inland war keine Terrororganisation, diesbezüglich ist Fromm eindeutig.

Das „Radikalisieren“ war wohl auch Sinn und Zweck des WSG-Verbotes, wie im vorigen Blogbeitrag zu lesen ist. (Arbeitsthese).

Und Doppelmitgliedschaften von WSG-Leuten in wesentlich nazistischeren Verbänden waren ein grosses Problem, auch das schreibt Fromm, und es sind eben jene Ex-Mitglieder, die sich am häufigsten radikalisiert haben. nach dem WSG-Verbot.

Der Selbstmörder Stefan Wagner aus der Frankfurter WSG-Einheit um Arndt-Heinz Marx hat ein sicheres Alibi für das Oktoberfest-Attentat, das wissen wir Dank der Nachforschungen von Thomas-Ewald Riethmüller, ebenso wie der Spitzel Behle, der beim Fahrzeugkonvoi der WSG Ausland teilnahm, und sich später in Damaskus mit der Täterschaft brüstete.

Ob der Mordanzeige gegen Behle, von Hoffmann erstattet 2014 ernsthaft nachgegangen wird, daran darf man zweifeln.

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Quelle: Karl-Heinz Hoffmann

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Was die „RAF von Rechts“ angeht, die der Jahre 1978-80, da muss man sich vorwiegend woanders umschauen, zum Beispiel bei der Kühnen-Truppe, und bei den Werwölfen von der Kühnen-Worch-Brehl-ANS:

kühnen

Fromm schreibt:

Bleibt die Frage: Wer ist Michael Kühnen? In seinem Buch „Die Zweite Revolution“ , das er in
der Haftzeit verfaßt und illegal aus dem Gefängnis schmuggelt, schildert der „Chef‘ (so ließ sich auch Ernst Röhm, 1. Stabschef der SA, nennen) seinen Werdegang.

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Lauter Chefs in der rechten Szene, und Kühnen war ein waschechter Rassist, was Hoffmann und auch Gerhard Frey gar nicht gefiel:

Auch Kühnens ANS-Mitglieder werden
als Nestbeschmutzer, als Verräter der „verfassungstreuen“ Rechten stigmatisiert.
(vgl. Dudek/Jaschke 1981, S. 165 ft)

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Für mich sind das Agent provocateurs, weiter nichts. Diskreditierer aller national eingestellten Deutschen im staatlichen Auftrag. Diese Leute haben Deutschland einen unendlich grossen Schaden zugefügt, den man noch 2014/15 bei der Berichterstattung über Pegida etc. bemerken kann… alles rechts der (eher linken) CDU ist verdächtig.

Fromm weiter:

Das Verhältnis der „Wehrsportgruppe Hoffmann“ zur „Aktionsfront Nationaler
Sozialisten“ Michael Kühnens7 ist sehr gespannt, auch wenn Mitglieder der Kühnen-Gruppe immer wieder Übungen der WSG besuchen. Ideologisch jedoch trennt die Rechtsextremisten mehr als nur die Uniform.

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Die sogenannten „Bückeburger Werwölfe“ um Lothar Schulte sind 1977-78 aktiv gewesen, wurden als Terroristische Vereinigung verurteilt, und diese Leute kamen sämtlich(?) aus dem Umfeld von Kühnen, Brehl und Worch.

Zu diesem Thema warten wir nach wie vor auf weitere Informationen von Lothar Schulte selbst, er als verurteilter Rädelsführer wird es ja wohl wissen…

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Eine der Schlüsselstellen bei Fromm ist diese hier:

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Die Organisationen ANS und VSBD sind -laut Fromm- die Brutstätte des Rechten Terrors, wie wir noch sehen werden, und daher ist es nötig, sich mit den Protagonisten auseinander zu setzen, mit denen Fromm auch ausführlich sprach:

Thomas Brehl, Vorsitzender der WSG Fulda und der Nationalen Aktivisten2 ( 4 Gespräche), Friedhelm Busse, Vositzender der VSBD/PdA (3 Gespräche)

Kühnen war damals schon an AIDS gestorben, nun, Ernst Röhm soll ebenfalls schwul gewesen sein…

Bei Friedhelm Busse und seiner VSBD ist der Staat immer dabei:

Seit 1969 wurde Busse bei seinen Aktionen und Gründungen von seinem Freund, dem ehemaligen Polizeibeamten Peter Weinmann, begleitet. Wie sich später herausstellte, spähte Weinmann als V-Mann »Werner« für das Bundesamt für Verfassungsschutz die Neonazi-Szene in Busses Umfeld aus.[12]

Ab 1976 war Weinmann gleichzeitig für den italienischen Militärgeheimdienst SISMI tätig, der in die Gladio-Aktivitäten involviert war.

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Wie kamen doch gleich Hoffmanns persönliche Gegenstände zum italienischen Militärgeheimdienst? Trugspuren… Bologna, Erlanger Mord,

und was ist mit dem Oktoberfest-Geldschein…

https://sicherungsblog.wordpress.com/2015/01/09/der-geldschein-26-9-80-p-l-g-m-54-10-20-akt-wiesn-schw-t-str-zund-ho/

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Zu Friedhelm Busses Verband gehörten die Hauptprotagonisten der militanten Rechtsextremen in jenen Jahren, die Fromm benennt:

Am 21.12.1980 reist der gewalttätige Rechtsextremist und Mitbegründer der
hessischen VSBD Frank Schubert (vgl. Hennig 1984, S. 54ff) mit einem zweiten
Volkssozialisten in die Schweiz, um Waffen zu beschaffen. Seinen Kontaktmann trifft er nicht an, denn der Waffennarr ist für ein paar Wochen in der Fremdenlegion82. Schubert kann sich aus anderen Kanälen illegal Waffen, Munition, Einbruchswerkzeug und falsche Ausweise beschaffen. Mit einem Schlauchboot will
er die Beute am 24 .12.1980 nach Deutschland bringen. Als er bei seinen Vorbereitungen überrascht wurde, erschießt er in der Nähe der Zollstation Koblenz/Schweiz den Grenzbeamten Josef Arnold, den Aargauer Kantonspolizisten Walter Wehrli und anschließend sich selbst. (vgl. Frischknecht 1991, S. 128 f.)
Friedhelm Busse holt die Leiche seines Frankfurter Parteifreundes bei der Aargauer Polizei ab . (Frischknecht 1984, S. 737)

Woher kam Schubert? Aus der DDR. Wie der Erlanger Doppelmörder Uwe Behrendt auch. Schubert geflohen über die Grenze, wie der Spiegel schreibt:

Von Karatekämpfer Schubert, der vor drei Jahren in einer „wahrhaft soldatischen Aktion“ (ein Kripobeamter) über die Berliner Mauer aus der DDR geflüchtet war, wußte die Polizei bislang schon, daß er „im Streitfall seine Körperkraft und auch Waffen brutal und rücksichtslos einsetzt“ (so ein polizeiinterner Bericht vom September).

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14317165.html

Und wer dabei, in der Schweiz, laut Spiegel?

Zwei Tage vor Weihnachten, soviel wissen Beamte des Bundeskriminalamtes inzwischen, tauchte Schubert in der Schweiz wieder auf. Mit einem von Kexel bei der Frankfurter DM Autovermietung GmbH ausgeliehenen VW Jetta (F-DM 925) fuhren beide im schweizerischen Ossingen bei einem 16jährigen Freund vor, der „in NS-Kreisen als Waffenlieferant und fanatischer Neonazi gilt“ (ein Verfassungsschützer).

Dessen Mutter identifizierte als Begleiter Schuberts in der Schweiz, nach Vorlage eines Photos, eindeutig Walther Kexel. Wie lange Kexel bei Schubert in der Schweiz blieb, ist bislang ungeklärt, Angaben zu einem Alibi für die Mordzeit verweigert er. Fest steht, daß beide dort gemeinsam Munition gekauft haben.

Auf Weisung des Generalbundesanwalts in Karlsruhe durfte die Kripo den vorübergehend festgenommenen Kexel nur als Zeugen vernehmen, weil seine Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung nicht erwiesen sei. „Die werden immer selbstsicherer“, kritisiert ein hessischer Kripo-Fahnder, „weil wir sie gleich wieder laufenlassen.“

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Kexel und Odfried Hepp sind die Führer jener Gruppe, die 1982 Bankraube und Anschläge mit Bomben in Autos von US-Soldaten verübten.

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siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Odfried_Hepp#Hepp-Kexel-Gruppe

Fromm meint in Bezug auf die HNG:

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Und der V-Mann Fraas war bei der Hepp-Kexel-Gruppe dabei. Ex WSG-ler, der im September 1980 Sprengstoff bei Hoffmann daheim anschleppte und und einmauerte:

http://oktoberfest.arbeitskreis-n.su/es-ist-alles-so-kompliziert-der-sprengstoff-i/

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Und noch 2015 wird der V-Mann Fraas nicht genannt, die V-Mann-Akten bleiben gesperrt. Zumindest für den Bundestag.

Die Urteile im Prozess der Hepp-Kexel-Gruppe fielen Mitte März 1985:

Walter Kexel (* 8. Oktober 1961 in Frankfurt am Main; † 15. März 1985 ebenda; abweichende Schreibweise Walther Kexel) war ein deutscher Rechtsextremist und mit Odfried Hepp Teil der Hepp-Kexel-Gruppe, die terroristische Anschläge gegen in Deutschland stationierte US-Soldaten beging.

In der Nacht nach seiner Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren durch das Oberlandesgericht Frankfurt am Main erhängte er sich in seiner Zelle.

http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Kexel

War Fraas der einzige V-Mann in der Hepp-Kexel-Gruppe?

Wie kann es sein, dass trotz V-Mann die Sprengfallen in den US-Soldaten-PKWs Ende 1982, als letzte Aktion dieser Gruppe überhaupt gelingen konnten?

Wie gut sind die Beweise dafür wirklich? Sind es V-Mann-Aussagen?

Fromm listet auf:

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Zur Verhaftung schreibt Fromm:

Die Hepp-Kexel-Gruppe wird im Februar 1983 zerschlagen. Am 15 .2.1983 werden in Frankfurt am Main die Rechtsterroristen Hans-Peter Fraas, Dieter Sporleder und Helge Blaschke in einer konspirativ angemieteten Hochhauswohnung verhaftet.

Die Polizei folgt Hinweisen aus der Bevölkerung.

In der Wohnung finden die Beamten unter anderem 2,5 Kiliogramm „Unkraut-Ex“, aus dem Sprengstoff hergestellt werden kann. (vgl. ‚Die Welt‘, 19./ 20.2 .1983)

Am 18 .2.1983 werden Walther Kexel und Ulrich Tillmann im Haus des ehemaligen britischen Fallschirmjäger-Majors Ian Souter-Clarance in Parkstone in der südenglsichen
Grafschaft Dorset festgenommen.

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Hinweise aus der Bevölkerung, das ist eine witzige Formulierung, wenn V-Leute in der Gruppe waren, oder nicht?

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Woher kam die Braune RAF? Aus dem Geheimdienst-Stadel der Agent Provocateurs Kühnen und Busse?

Und ist das ein Fingerzeig auf die noch unbekannten Täter der Oktoberfestbombe? Auf Andreas W., in dessen Spind man 2 Pistolen und Köhler-Verherrlichungs-Flugblätter gesehen haben will?

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Wo gehört der „Mann ohne Hand“ eigentlich hin, der sich in Hannover behandeln liess, was gar nicht weit entfernt ist von Celle, von Bückeburg, von Hamburg?

Ist die Zuordnung dieser in Bayern 1981 verschwundenen Hand zu Gundolf Köhler bereits 1982 im Abschlussbericht nicht ein Eingeständnis der BAW, dass man den Besitzer nicht ermitteln durfte?

Anders gefragt: Wusste man ganz genau, wer dieser Mann war, der nur männlichen Besuch erhielt, wie die Krankenschwester 2015 aussagte, und plötzlich verschwunden war?

Aber: Wo sind die Klinikpapiere, wo sind die Aussagen der Ärzte und Kolleginnen der Krankenschwester? Gibt es die etwa immer noch nicht? 

Und warum wird nicht gefragt, ob es nicht dieser mutmassliche Tübinger (Student) ist, der Gundolf Köhler zum Explosionsort begleitete oder gar dort hin lockte?

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Diesen Mann muss man unter den Studienkollegen Gundolf Köhlers suchen.

Hat man das je getan? Ist es ein V-Mann aus dem Busse-Verband?

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Wie kam Hoffmann eigentlich zur WSG Ausland, und wer sorgte dafür?

Man hat gewisse Deja vu, wenn man die Darstellung Fromms (immerhin in seiner Dissertation) liest, denn man findet sehr viele SPIEGEL-Zitate wieder, und auch das Buch von Voss als E.W. Pless , „Geblendet“ von 1979 wird dort ausführlich zitiert. Ein Roman, der gar nicht so romanhaft ist, sondern sehr viel Autobiografisches enthält.

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Was wir bereits kennen, das habe ich rot markiert.

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Es ist verständlich, wenn sich Fromm im Wesentlichen auf Medienberichte und Gespräche mit den Protagonisten stützt, sowie auf für ihn damals erreichbare Literatur, Gerichtsurteile und auf Akten der Ermittler. An die Geheimdienstakten war für Fromm kein Herankommen. Da mauert die Bundesregierung noch 2015, wenn es um die V-Leute geht.

Udo Albrecht gehört zweifellos dazu. 

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Anwalt Schöttler (Foto) zweifellos auch. Aber wer noch? 

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Woran erkennt man nun die Falle, in die Hoffmann gelockt wurde, im Frühjahr 1980, ein halbes Jahr vor dem Oktoberfest-Attentat?

Erster Blogbeitrag, Schöttlers Vertrag (wohl im Auftrag des BND):

Der Vertrag regelte in einer kleingedruckten Klausel Hoffmanns angebliche zukünftige Geschäfte mit den Falangisten, wo Albrecht ihn doch zur PLO bringen sollte. Hätte man diesen Vertrag später an die Presse gegeben, wäre die PLO-Führung wohl nicht umhin gekommen, Hoffmann standrechtlich erschießen zu lassen.

In diesem März 1980 waren jene Akten des BND, die Hoffmann erst im Winter 2014/15 über das Fernsehen zu sehen bekommen sollte, und die ihn scheinbar als Kontaktmann italienischer Faschisten im Libanon und libanesischer Falangisten ausweisen, schon einige Monate alt.

Dabei kam alles ganz anders.

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Hoffmann kam nach dem Verbot der WSG „Inland“ Ende Januar 1980 zur PLO, weil der Geheimdienst ihn dort haben wollte, und der Agent Udo Albrecht auftragsgemäss dafür sorgte. Albrechts (und schon Pohls) Anwalt Schöttler bauten in den Vertrag eine „Terminationsklausel“ gegen Hoffmann ein, siehe Zitat.

Gleichzeitig wurden Gegenstände aus dem persönlichen Besitz Hoffmanns gestohlen, die dann beim Doppelmord von Erlangen im Dez 1980 auftauchten (Sonnenbrille mit Gravur) und die bei Trugspuren des italienischen Militärgeheimdienstes zum Attentat zu Bologna (August 1980) wieder auftauchten.

Beim Oktoberfestanschlag tauchte ein WSG-Anhänger auf, Gundolf Köhler, als Einzeltäter gebrandmarkt seit 35 Jahren, und ein Geldschein mit „Ho“ drauf, „Zünder“ und Datum des Anschlags waren ebenfalls notiert.

Die Frage nach „V-Mann Köhler“ ist zu stellen! Unbedingt.

Hätte sich Hoffmann nicht am 26.9.1980 umentschieden, wäre er nicht in Nürnberg geblieben, anstatt dem Konvoi zu folgen, hätte der Fahrzeug-Konvoi an jenem Tag keine 10 Stunden Verspätung gehabt, die Ermittlungen wären kurz nach dem Anschlag erfolgreich verlaufen:

Hoffmann und seine WSG Ausland waren es, kein Einzeltäter Köhler, sondern ein Netzwerk gesteuert von Hoffmann selbst, den man dann wohl mit einer Kugel im Kopf in einem brennenden Wohnmobil  auf einem Parkplatz an der Autobahn bei München gefunden hätte.

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Auf einmal macht sogar das Verbot der WSG „Inland“ Sinn:

Ohne dieses Verbot Anfang 1980 wäre Hoffmann gar nicht erst in den Libanon gegangen, die Operation „WSG Ausland“ hätte es gar nie gegeben.

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Bundesinnenminister Gerhart Baum (Foto), der Staatsmorde Titos an Exilkroaten zuliess, auf deutschem Boden, der ist nicht zwingend der Gutmensch, als der er sich gerne verkauft. Oder er hat dazu gelernt, sowas soll es ja geben.

Das WSG-Verbot (sehe ich, meine Interpretation)  als Teil eines perfiden Plans:

a) Die Mitglieder (und deren rechtsnationales Umfeld) zu radikalisieren, eben weil die repressiven Durchsuchungen im Zuge des Verbots bei einer „Feierabend-Truppe“ (Karnevalstruppe, fatalist ist halt böse)  mit zugelöteten Gewehren radikalisieren MUSSTEN, es wurde wie bekannt NIEMAND verhaftet, und weil sie das auch SOLLTEN.

b) ohne WSG-Verbot hätte man Hoffmann gar nicht in den Libanon bekommen.

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Material dazu, erkennen Sie die geheimdienstlichen Muster!

Morde in Titos Namen, ARD 2014:

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TITO LIESS MIT CESKA MORDEN, INKLUSIVE SCHALLDÄMPFER

Zwischenablage29

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/muenchen-mord-prozess-gegen-ex-agenten-perkovic-und-mustac-a-997365.html

Die bis heute unbekannten Attentäter hatten dem Oppositionellen im Dunkeln aufgelauert und ihn mit sechs Projektilen aus einer schallgedämpften Ceska-Pistoleund einer Beretta niedergestreckt. Zusätzlich schlugen sie ihm – wahrscheinlich mit einer Art Haumesser – den Kopf ein.

https://sicherungsblog.wordpress.com/2014/10/18/tito-liess-mit-ceska-morden-inklusive-schalldampfer/

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DIE DÖNERMORDE SIND VOM TÜRKISCHEN STAAT AUF DEUTSCHEM BODEN VERÜBT WORDEN?

Hat nicht nur Titos Geheimdienst mindestens 29 Morde in Deutschland mit Wissen der BRD-Regierung ausgeführt, sondern hat auch die Türkei in Deutschland morden lassen, mit Wissen unserer Regierung?

Diese ungeheuerlich klingende Frage ist allen Ernstes zu stellen, ich hoffe Sie haben das noch im Hinterkopf:

Was ist der wahre Hintergrund dafür, dass die Bundesanwaltschaft diese Mordserie nicht wollte? Liegt der wahre Grund (die Märchen des Zeugen Ritscher sind kaum glaubhaft) darin, dass eben nicht die Türkische Hizbullah, sondern der “befreundete Türkische Staat” mit den Dönermorden in Verbindung gebracht wurde?

Wollte die BAW nicht in ein Wespennest stechen? Wusste sie, wie Zeuge BKA-Vize Maurer, von der politischen Brisanz?

https://sicherungsblog.wordpress.com/2014/11/12/die-donermorde-sind-vom-turkischen-staat-auf-deutschem-boden-verubt-worden/

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Neues zur Verhaftung von PLO-Terrorist Willi Voss kurz nach dem Olympia-Anschlag 1972

Der Spiegel schreibt 2012 zur Festnahme 1972:

spiegel2012

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-86486649.html

Karl Jochheim, auch Charles Jochheim-Armin, der gehört nach NRW, nicht nach München.

Fromm schreibt dazu:

Der politische Werdegang des Rechtsextremisten beginnt 1924 mit dem Beitritt zum „Jungstahlhelm“ und zur „Brigade Ehrhardt“. Seit 1927 ist Jochheim-Armin Mitglied der NSDAP und 1944/1945 Untersturmführer der Waffen-SS . Die erste Etappe seiner Nachkriegslaufbahn  ist 1951 die Mitgründung der „Nationalen Jugend Deutschlands“ , zehn Jahre später hebt er die
„Deutsch-Spanisch-Südamerikanische Gemeinschaft“ aus der Taufe. 1968 schafft er die „Nationale Kampfgemeinschaft Deutschland“ (NKD) und 1971 die „Bürgerinitiative Neue Ordnung“ . In den siebziger Jahren arbeitet er mit der „Volkssozialistischen Bewegung Österreichs“ zusammen. 1980 gründet er eine weitere Splittergruppe namens „Kampfeinheit Nationale Sozialisten“ (KNS). (vgl. Hirsch 1989, S. 389 f)

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Wikipedia meint dazu:

Die Nationalsozialistische Kampfgruppe Großdeutschland (NSKG) war eine neonazistische deutsche Organisation. Sie wurde im April 1972 durch den Waldarbeiter Manfred Knauber gegründet und umfasste gut 25 Mitglieder aus Bayern und Nordrhein-Westfalen, darunter einige Unteroffiziere der Bundeswehr.

Die NSKG gab das Organ Der Nationalsozialist – Kampfschrift zur Befreiung Deutschlands aus der Knechtschaft heraus und bekannte sich zu Satzung und Programm derNSDAP. Ein Teil der Mitglieder stammte aus der NPD. Ziel war der bewaffnete Kampf; nach eigener Aussage hatte die NSKG Kontakte zur PLO.

Außerdem unterhielt sie Verbindungen zu der 1968 von Karl Jochheim gegründeten Sozialrevolutionären Nationalen Kampfgemeinschaft Deutschlands (SNKD), die ebenfalls militant und konspirativ ausgerichtet war und über Hand- und Faustfeuerwaffen, Funkgeräte und gefälschte Ausweise verfügte.

Am 11. Oktober 1972 wurde die Gruppe durch die Polizei ausgehoben. Dabei wurden u.a. eine Maschinenkanone, drei Maschinengewehre, fünf Maschinenpistolen, diverse Gewehre, Sprengstoff, Panzerfaustgranaten und Handgranaten sowie Dokumente wie Operationspläne und Anleitungen zu Geiselnahmen gefunden.

Bei dem anschließenden Strafprozess wurden sechs Mitglieder wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und dem Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz zuFreiheitsstrafen verurteilt.

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Das passt nicht zusammen: Am 27.10. kann man nicht in München im Haus eines Mannes Willi Voss und den Drucker verhaften, wenn dort am 11.10. bereits alles hochgenommen worden war.

Ausserdem wohnte Jochheim nicht in München. Der gehört – wie Wiki richtig schreibt- nach NRW.

Immer wenn falsch berichtet wird, dann werden V-Leute geschützt. Das ist 2015 bei Stefanie Waske in DIE ZEIT zum Thema „Fraas und Sprengstoff bei Hoffmann“ so gewesen, und das ist auch 2012 beim Spiegel in Bezug auf den „Verbandsvorsitzenden G.“ (so nennt in Voss in „Geblendet“ in München) der Fall.

Konsequenz: Bis zur Klärung der Personalie „Jochheim“ bleibt „Friedhelm Busse“ im Rennen. Als V-Mann, wohlbemerkt.

Eine Information dazu:

Die Latsch- Story im Spiegel war mir bekannt. Latsch kennt wieder einmal nur die halbe Wahrheit. In die geplante Aktion war wohl auch der Österreicher Burger verstrickt. Dies war für die Nachrichtendienste eine verdammt heiße Kiste. Ich glaube FJS musste persönlich eingreifen um die Sache unter dem Teppich zu halten. Wenn ich mich nicht täusche, spielte damals der Versuch der STASI eine Rolle die Südtiroler Bumser zu unterwandern und sie auf Anschläge gegen NATO- Einrichtungen zu überreden. Burger war der Sponsor der Bumser, da er eine Stiftung verwaltete von der etwa eine Million DM im Jahr nach Südtirol flossen, von denen allerdings – später vermutlich, als Busse mitmischte – etwa 500.000 DM verschwanden, was den Österreichern erlaubte Burger kurzfristig hinter Gitter zu bringen und die CIA wollte die beiden (Wolfgang Abramowski und Willi Pohl) als Agenten.

Das passt!

siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Norbert_Burger_(Politiker)

Willi Voss war Spitzel „Ganymed“ der CIA, das haben 3 SAT und Spiegel berichtet, es steht in seinem Buch „UnterGrund“ auch drin.

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In „Geblendet“ schreibt dazu Voss: (Schickel = Udo Albrecht)

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Auch damals schon war die gesamte Rechte Bewegung total unterwandert. Es ist daher kaum vorstellbar, dass die Geheimdienste, die schon 1972 wirklich ALLES wussten, ab 1974 ff bei der WSG Hoffmann, später bei der Hepp/Kexel-Gruppe und beim Oktoberfestanschlag 1980 nicht ebenfalls bestens informiert waren. Ebenso bei den Lothar Schulte-Werwölfen 1977/78.

Gleiches gilt auch für den Terror vor dem Oktoberfest-Attentat, also was Depots von Heinz Lembke, von Peter Naumann angeht, und was die „Deutschen Aktionsgruppen“ des Manfred Roeder angeht, die es nur 1980 gab, und die 2 Morde begingen, aber Anfang September 1980 aufflogen, vor der „O-Bombe“.

Bei der Braunschweiger Gruppe um Otte war nachweislich der V-Mann Lepzien aus Peine dabei, und man darf davon ausgehen, dass bei JEDER rechten Terrorgruppe dieser Jahre ein Spitzel mit an Bord war.

Ausnahmslos.

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Die WSG Hoffmann in der Dissertation von Rainer Fromm, ZDF-NSU-Filmemacher, Teil 6

Die Finanzierung der WSG Hoffmann, Waffen, Infiltration

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Es gab also einen Förderverein.

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Fromm:

lm März 1976 initiiert Hoffmann den „Freundeskreis zur Förderung der Wehrsportgruppe Hoffmann“ insbesondere zur finanziellen Unterstützung der WSG

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Und der Vorsitzende erklärt uns auch endlich, was Hoffmann (selber ungedient in einer Armee) wollte:

Zur Motivation der WSG-Gründung durch Hoffmann erinnert sich Heckmann, das Vorbild sei der „DDR-Wehrsport“ gewesen. Die Funktion des „Freundeskreises“ sei „sowas wie der Club der Alten Herren“ bei Burschenschaften gewesen, die den Jungen unter die Arme greifen

Die GST war das Vorbild?

Die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) war eine Massenorganisation in der DDR.  […] Sie trug damit auch zur Militarisierung der Gesellschaft der DDR bei, indem sie unter anderem die gesetzlich vorgeschriebene vormilitärische Ausbildung (VA, auch VMA) zusammen mit der Nationalen Volksarmee an Schulen, Universitäten und in den Betrieben durchführte. Sie wurde am 7. August 1952 gegründet und im Frühjahr 1990 aufgelöst. http://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft_f%C3%BCr_Sport_und_Technik

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Fromm:

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Weinmann ist auch Friedhelm Busses Ohr bei Hoffmann, ebenso wie das des BfV.

Die Medien haben kräftig zur Finanzierung beigetragen, wie sie auch zum enormen Wachstum beitrugen. Das BfV zahlte für Informationen, so Fromm.

Infiltrierung:

Hoffmann selbst macht sich dazu Gedanken, Zitat aus Kommando:

Als besondere Unsitte muß auch die gelegentliche Zulassung von Gästen aus dem sogenannten befreundeten Lager bei internen Zusammenkünften der WSG-Ortsgruppen bezeichnet werden, dies besonders deshalb, weil gerade die nationalen Gruppen mit Spitzeln hochgradig verseucht sind. Das Gesagte bezieht sich keinesfalls aufdie zivilen Mitglieder des eigenen Freundeskreises, sondern auf solche, die anderen Organisationen angehören.

In einigen Fällen wurde auch der Versuch erkannt, attraktive Frauen zur Erkenntnisgewinnung auf WSG-Funktionäre anzusetzen.

Hier, in diesem angesprochenen Problemkreis, liebe Kameraden, muß unsere Wachsamkeit gestärkt werden

Fromm schreibt dazu:

Lediglich beim hessischen „Sturm 7“ gelingt es einer Antifaschistin, in interne Strukturen einzudringen. Allerdings sind die Geheimdienste erfolgreicher: Sie können Informanten in alle Ebenen der WSG einschleusen. (vgl . Hoffmann-Prozeß, S. 18)

Ferner laufen Hoffmanns Finanzgeschäfte unter den wachsamen Augen des Verfassungsschutzes ab . (vgl. ‚Tiroler-Dokumentation‘, Beilage zum ‚Tiroler‘, Nr. 42/94, S. 3; vgl. auch ‚Der Spiegel‘, Nr. 7/1994, S. 37)

Außerdem läßt sich Hoffmann von einem Agenten zum Libanon-Projekt überreden. (vgl. ‚Die Tageszeitung‘, 27.4 .1983 ; vgl. auch ‚Der Spiegel‘, Nr. 37/1981, S. 59 ft)

Zu Hochzeiten dürfte Hoffmann im Libanon von zwei bis drei Informanten der verschiedensten deutschen Dienste umgeben gewesen sein, was jedoch sein Selbstbewußtsein nicht schmälert.

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Udo Albrecht, BND-Agent

Es waren sicher mehr… als nur 2 oder 3.

Wie das Alles finanziert wurde, das ist nicht bekannt:

Hoffmann spricht in Interviews nicht gern über seine Finanzen. Zur SPD-Zeitung
‚Vorwärts‘ sagt er: „Ich bin über alles zu reden bereit, nur nicht darüber, woher wir das Geld nehmen und wieviele Leute wir sind.“ (‚Vorwärts‘, 9.l.1975)

Beiträge der Mitglieder wurden nicht erhoben.

Am 7.3 .1979 sind die Hoffmann-Finanzen Gegenstand einer Landtagssitzung. Eine schriftliche Anfrage der SPD zur Finanzierung der WSG beantwortet das Bayerische Staatsministerium des Innern folgendermaßen:

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Wachdienste etc sollen eine der Geldquellen gewesen sein, schreibt Fromm, und viel sei nicht gebraucht worden, da die Ausrüstung privat anzuschaffen gewesen sei, also Uniform, Fahrzeuge etc pp.

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mein Lieblingsbild.

Warum keine stinknormale Sicherheitsfirma gründen? Wozu zugelötete Gewehre?

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Waffen gab es nicht, denn als das Verbot Anfang 1980 ausgesprochen wurde, kam niemand in Haft. Fromm schreibt denn auch:

ln der Literatur wird die Bewaffnung der „Wehrsportgruppe Hoffmann“ stets
übertrieben dargestellt.

Die Autoren solcher Beiträge verkennen oftmals Hoffmanns Werbegeschick. So präsentiert der WSG-Chef seinen „Schützenpanzer Hotchkiss“ den Journalisten des italienischen Fernsehens als voll funktionsfähig. In Wirklichkeit handelt es sich um ein Wrack, das Hoffmann von einem Schrotthändler erworben hat.

Im Garten von Hoffinanns Haus wurde ein nicht fahrtüchtiger Schützenpanzer sichergestellt. Keines der Mitglieder der
Wehrsportgruppe ist in Haft.“ (‚Süddeutsche Zeitung‘, 31.1.1980)

„Bei den im Zusammenhang mit dem WSG-Verbot in Bayern, Hessen und Baden- Württemberg durchgeführten Hausdurchsuchungen konnten zahlreiche militärische Ausrüstungsgegenstände, darunter ein Schützenpanzer, ein Flugabwehrgeschütz, mehrere Geländefahrzeuge und Motorräder, die allerdings fast durchweg unbrauchbar waren, beschlagnahmt werden.“ (Verfassungsschutzbericht des Landes Baden Württemberg 1979, S. 68;vgl. auch ‚Die Welt‘, 31.1 . 1980)

Die übrigen ‚Waffen‘, insbesondere die Maschinenpistolen, sind Attrappen.
(Bayerischer Landtag, 8. Wahlperiode, Drucksache 8/5905 , 12.7. 1977, zit. aus: Union
1980, S. 44)

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Klartext: Da war nichts. Fast nichts. Völlig aufgeblasene Pressedarstellungen, Karneval ganzjährig stimmt eben doch?

Hoffmann hat verkauft, was gar nicht vorhanden war? PR-Genie war er ganz sicher.

Ende Teil 6

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Rechter Terror 1981, München: „Ja, ja Herr Hoffmann, jetzt schießen wir zuerst!“

Karl-Heinz Hoffmann ist der Ansicht, dass es Peter Hamberger war, der nach seiner Rückkehr aus dem Libanon 1981 als Drucker-Gehilfe bei Friedhelm Busse in München anheuerte, und für das BLKA als V-Mann arbeitete.

Rainer Fromm benennt den „Ländle-Trupp“ rund um Odfried Hepp:

Zur Libanon-Gruppe um Hepp gehören die Rechtsextremisten Hamberger, Dupper und Kai Uwe Bergmann. Alle vier sind Angehörige der 1979 zerschlagenen „NSDAP-Gau Württemberg-Hohenzollern“ .5 Zwei der Neonazis gehören der „Deutsch-Völkischen Gemeinschaft“ (DVG) an

gruppe hepp

Hepp, Dupper, kenne ich nicht, Hamberger, Bergmann

https://www.youtube.com/watch?v=7LTGv8aN7gs

Fromm:

Ein Beispiel ist der junge Neonazi Peter Hamberger. Er folgt Hoffmann in den
Libanon, um dort die WSG-Nachfolgegruppe zu unterstützen. Später schließt er sich dem „Kommando Omega“ der Rechtsterroristen Klaus Ludwig Uhl und Kurt Wolfgram an. Nach einer Schießerei mit der Polizei wird er verhaftet.

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Etwas ausführlicher bitte!

Nach dem Schrecken im libanesischen Ausbildungslager Bir Hassan setzt sich das WSG-Mitglied Peter Hamberger im Juni 1981 ab, stellt sich den deutschen Behörden und belastet Hoffmarm schwer. Bereits Ende Juli 1981 wird Hamberger mit einer Auflage aus der Untersuchungshaft entlassen: Keine Kontakte zu Rechtsradikalen.

Trotzdem begibt er sich zum damaligen VSBD/PdA-Vorsitzenden Friedhelm Busse, bei dem er als Hilfsarbeiter in der Durckerei anheuert. Darm fmdet Hamberger über Busse Kontakte zum VMO . Der Führer der belgischen Extremistengruppe begrüßt ihn in seinem Antwerpener Hauptquartier „Cafe Odal“- Hamberger nimmt an VMO-Wehrsport-
übungen in den Ardennen teil, wo er sich mit flämischen Gleichgesinnten fotografieren läßt. (vgl. ‚Stern‘, 9.19.1981 , S. 32)

Das klingt nach Informant: Aus der U-Haft entlassen, „Nazikontakte sind verboten!“, und prompt beim Busse angeheuert, Festanstellung. Geht nicht ohne Wissen der Sicherheitsbehörden.

Klar ein Informant.

Was geschah 1981? Fromm:

Die Gruppe fliegt auf, als sie auf dem Weg zu einem Banküberfall („Aktion Geldbeschaffung“) von der Polizei gestellt wird. Dabei werden zwei Rechtsterroristen erschossen, ein dritter sowie zwei Polizeibeamte verletzt. Vor dem Weg zum Bankraub haben sich die fünf jungen Gruppenmitglieder in Busses Wohnung getroffen und ihm 20 000 DM Beuteanteil zugesichert. Zur Verurteilung Busses und seiner Mitstreiter wegen § l29a kommt es aber nicht. Dazu erklärt Bundesanwalt Klaus Hecking im Plädoyder der Anklage :

„Zwar hätten die bei der Festnahme am 20. Oktober 1981 umgekommenen rechtsextremisten Nikolaus Uhl und Kurt Wolfgram zweifellos in Paris eine terroristische Vereinigung mit dem Namen ‚Kommando Omega‘ gegründet. Aber diese Vereinigung habe eben nicht auf bundesdeutschen Boden bestanden: Es sei nicht zweifelsfrei beweisbar, daß Busses Wohnung in den Tagen vor der Verhaftung der jetzt angeklagten Rechtsextremisten tatsächlich zu einer ‚Filiale‘ dieser terroristischen Vereinigung geworden sei.
Nach dem§ 129a dürfen aber nur terroristische Vereinigungen bestraft werden, die ihren Sitz in der Bundesrepublik haben.“ (zit. aus: Chaussy 1989b, S. 142)

Stattdessen wird Busse wegen Hehlerei, Strafvereitelung und Vergehen gegen das
Waffen- und Sprengstoffgesetz zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.
Die anderen deutschen Mitglieder des „Kommando Omega“ sind erheblich jünger: Peter Fabel (geb. 1963), Peter Hamberger (geb. 1963), Ludwig Uhl (geb.1957) und Kurt Wolfgram (geb. 1960).

Da kamen Leute aus Paris, bzw. aus Metz, die zu einem Bankraub im Westerwald wollten, und trafen sich mit Mittätern bei Busse, Hamberger kannten sie bereits:

Als nach Uhl wegen rechtsextremistischer Umtriebe gefahndet wurde, tauchte er erst einmal in Metz unter. Seine Exiladresse war bald Anlaufstelle für alle möglichen Nazis, denen der bundesdeutsche Boden zu heiß wurde. Dort wurde auch ein Sparkassenraub einstudiert.

Zu Busse kam im Oktober 1981 auch der Münchner Hilfsarbeiter Peter Hamberger (22), den die Kameraden Uhl und Wolfgram – so hatte er selbst zu Protokoll gegeben – zuvor in Paris aufgefordert hatten, bei einem neugegründeten „Kommando Omega“ mitzumachen, Geldinstitute zur Kasse zu bitten und „Verräter zu liquidieren“. Einer sollte mit einer Panzerfaust in einem Gefängniswagen erledigt werden.

Pascal Colette aus Paris, der Fahrer vom 3. Oktober, versteht ohnehin nichts und muss jeden Satz übersetzt bekommen.

http://www.bayerische-staatszeitung.de/staatszeitung/leben/detailansicht-leben-in-bayern/artikel/gelangweilt-gesoffen-geschossen.html

Jetzt sind es mit Busse 6. Ein halbes Dutzend.

In München steht ein halbes Dutzend Neonazis vor Gericht. Laut Anklage wollte die „Gruppe Omega“ Staatsanwälte liquidieren und aus Banküberfällen einen neuen „Völkischen Beobachter“ finanzieren

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14019728.html

Da 2 erschossen wurden, fehlen aber noch 2 Angeklagte:

Überfallen werden sollte eine Filiale der Nassauischen Sparkasse im Westerwald, wo einen Monat zuvor Wolfgram und das jetzt in München mitangeklagte Ehepaar Klaus-Dieter und Christiane Hewicker schon einmal 72 811 Mark erbeutet hatten.

Verabschiedet von seinem Mentor Busse hat sich auch Hamberger: Er ist nach seinen Geständnissen in einer derart schlechten psychischen Verfassung, daß er vorerst als Zeuge wie als Angeklagter aus dem Prozeß ausscheren muß; seine Aussagen wurden von einem Vernehmungsbeamten dem Gericht vorgetragen.

Jetzt sind es 6, ein halbes Dutzend. Zählen ist wichtig! Hewickers gehören nach Braunschweig, HJ-Führer in Busses Verband, terroristisch aber zugehörig der Gruppe Paul Otte. Deren V-Mann war Lepzien. Alles total unterwandert… damals schon.

Nur beim NSU ist alles ganz anders, da wusste niemand was… 🙂

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Wer hat dieses „Kommando Omega“ an die Bayerische Polizei verraten?

a) laut Spiegel 1983: Ein Exilperser

Famili, ein V-Mann der Kriminalpolizei, besorgte für die fünf Busse-Gäste nicht nur einen gebrauchten Citroen GS, sondern informierte auch seine Auftraggeber. So konnten die fünf „Omega“-Terroristen schon kurz nach dem Start in München von einem Sondereinsatzkommando abgefangen werden. Eine wahrscheinlich zufällig gezündete Handgranate löste ein Feuergefecht aus, bei dem die beiden Neonazis getötet wurden.

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b) Bayerische Staatszeitung 2013: Keine Aussage.

Wie aber kam es dann dazu, dass – so die Anklage – am Abend des 20. Oktober 1981 in einem französischen Auto, das von Busses Wohnung gekommen war, fünf junge, für einen geplanten Banküberfall bis an die Zähne bewaffnete Männer am Stadtrand Münchens angehalten wurden, dass dabei eine Handgranate explodierte und zwei der Gestellten von Kugeln eines polizeilichen Einsatzkommandos durchsiebt wurden: Nikolaus Uhl (24) und Kurt Wolfgram (21)?

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c) laut Hoffmann:

[Hamberger] war es, der die Bewegungen der jungen Neonazis an das BLKA verraten hat, als diese im Oktober 1981 in München Perlach von einen Polizei-Sonderkommando gestellt und unter Beschuss genommen wurden. Zwei der jungen Neonazis starben im Kugelhagel der Polizei.
In der Presseberichterstattung wurde das Vorkommnis vollkommen entstellt wiedergegeben. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Presse von der Polizei aus gutem Grund falsch informiert worden war.
In der Spiegel-Ausgabe Nr. 44/1981 wartete die Redaktion mit einer sensationellen Story auf:

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„Uhl war einer von fünf Männern, die sich in Neubiberg bei München beim VSBD-Vorsitzenden Friedhelm Busse getroffen hatten, um eine Geldbeschaffungsaktion zu bereden: einen Überfall auf eine Sparkasse.
Doch dazu kam es nicht. Tips aus der rechten Szene und Ermittlungen des Bundeskriminalamtes (BKA) führten dazu, dass die fünf im Südosten von München von Beamten des Sondereinsatzkommandos (SEK) der bayerischen Polizei gestellt wurden.
In der Putzbrunnerstraße lieferten sich Rechtsextremisten und Beamte mit Handgranaten und Maschinenpistolen ein Feuergefecht. Der Mann aus Paris [Uhl] und sein Freund Kurt Wolfgram, 21 wurden  tödlich, ihr Begleiter, Peter Fabel, 18 und ein Polizist schwer verletzt. Verhaftet wurden zwei Mitglieder von Busses VSBD und ein französischer Neonazi …“

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Hoffmann behauptet, und das wisse er von Einem der dabei war, es gab gar keine Handgranate, im Gegenteil sei ein Doppelmord durch die Polizei verübt worden:

Hoffmann schreibt:

Die Beamten des BLKA waren über die Abfahrtzeit und Fahrtroute der Busse-Gruppe durch ihren Spitzel Hamberger informiert, so konnte sie an einer Ausfallstraße in München Perlach einen Hinterhalt legen. Als das Fahrzeug beim Herannahen gestoppt werden sollte, kam es zu einer Karambolage mit der gepanzerten Limousine der Polizei.

Als die jungen Männer zum Aussteigen aufgefordert worden waren, öffneten sie die Autotüren. Nach dem Zuruf: „Polizei! Hände hoch, wir schießen sofort!“, versuchte einer der Rechten zu flüchten, kam aber nicht weit.

Die anderen vier, darunter Hamberger, schickten sich an, mit erhobenen Händen auszusteigen. In diesem Augenblick warf ein Polizist eine Blendgranate in Richtung auf das Auto der Neonazis. Die Blendgranate rollte unglücklicherweise unter das Hinterrad des Citroëns und explodierte. Zwar hat die von der Polizei verwendete Blendgranate normalerweise keine Splitterwirkung, aber in diesem Falle muss sie durch die Verdämmung am Hinterrad eine Sprengwirkung erzeugt, und kleine Splitter von der Kunststoffhülle der Granate in Richtung auf die, ihre entsicherten MPs im Anschlag, gebückt vorgehenden SEK-Beamten abgegeben haben.

Jedenfalls drang ein Splitter in die Wade eines Polizisten ein. Der glaubte von einem Projektil getroffen worden zu sein und schrie laut auf: „Ich bin getroffen!“ Dieser Ruf bewirkte, dass nun mehrere Beamte, im Glauben an einen Angriff oder aus Nervosität, vielleicht aber auch in vorgefasster Absicht, wild drauflos ballerten und die jungen, völlig wehrlosen Neonazis niedermachten. Dabei beschossen sich die Polizisten unabsichtlich gegenseitig und produzierten auch unvermeidlich Querschläger.

Von Seiten der Rechtsextremisten konnte kein einziger Schuss abgegeben werden. Sie hatten die Hände erhoben und waren im Augenblick des Polizeiangriffs unbewaffnet. Ihre Waffen hatten sie im Kofferraum verstaut.

Auf kurze Distanz und bei unübersichtlicher Lage wird eine Polizei-MP leicht zur „Kameradensäge.“ Ein Polizeibeamter bekam ein Projektil aus einer Polizei-MP in die Lunge. Aber bei aller Nervosität ließen die Beamten doch auch ein gerütteltes Maß an Kaltblütigkeit erkennen, das geeignet war, ihren V-Mann Hamberger vor den tödlichen MP-Garben in Sicherheit zu bringen.

Der Kriminal Oberkommissar Kitschler unternahm es persönlich, seinen Schützling Hamberger beiseite zu zerren und ihn zu decken. Im Anschluss an die Attacke des SEK wurden die Sterbenden und die Schwerverletzen an den Straßenrand gelegt.

Als der Notarzt eintraf wurde ihm unter dem Vorwand, die bereits halb entkleideten „Terroristen“ könnten noch Sprengsätze am Körper tragen verwehrt, den Opfern der Polizeigewalt Hilfe zu leisten. 

Woher ich das alles weiß? Ich weiß es von einem der dabei war. Ich war damals zu jener Zeit als Untersuchungsgefangener im Polizeigefängnis in der Ettstraße in München untergebracht und wurde täglich zur Vernehmung wegen der Ereignisse im Libanon zum BLKA gebracht. Einige der Vernehmungsbeamten waren an dem Ambush in Perlach dabei. Nicht jeder konnte seinen Mund halten.

Unter anderem sagte einer, wohl mit Blick auf die Erfahrungen mit der RAF, zu mir: „ Ja, ja Herr Hoffmann, jetzt schießen wir zuerst!“

Karl-Heinz Hoffmann 06.02.2014

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Und woran denkt man da, ab dem Lesen der Überschrift, die ganze Zeit über?

An Eisenach, 4.11.2011:

“Da war einer schneller” ist zunächst einmal ein “running gag” innerhalb der Thüringer Polizei, aber der Witz hat folgenden Hintergrund: Es sah nicht nach erweitertem Suizid aus, was man dort vorgefunden hatte, genau so wurde das kurz nach dem 4.11.2011 auch berichtet.

https://sicherungsblog.wordpress.com/2014/12/04/was-da-war-einer-schneller-mit-den-pumpgun-hulsen-beim-bka-zu-tun-hat/

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Rechter Terror „WSG Werwolf, Bückeburger Prozess“ bei NSU-Filmemacher Rainer Fromm

Im NSU LEAKS – Blog wurde das Thema bereits angesprochen: Rechter Terror mit „Hilfe“ des Verfassungsschutzes vor der Oktoberfestbombe, also die „Braunschweiger Gruppe“ um Otte mit V-Mann Lepzien, Taxifahrer aus Peine, die „Deutsche Aktionsgruppen“ des Manfred Roeder 1980, Anschläge auf Asylbewerber mit Toten, und auch das hier ist enthalten:

Kennen Sie den Bückeburger Werwolf-Prozess?

https://sicherungsblog.wordpress.com/2014/10/23/hintergrundinfos-gesteuerter-terrorismus-in-deutschland-teil-3-rechter-terror/

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Der Haupträdelsführer und nach §129 a als Anführer einer Terroristischen Vereinigung verurteilte Lothar Schulte gehört zu unseren Bloglesern. Er ist etwas schreibfaul, und hat noch keinen Gastbeitrag abgeliefert. Was nicht ist, das kann ja noch werden…

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Fromm hat das Geschehen wie folgt dargestellt:

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Lese ich „Befreiung Rudolf Hess“ und „DDR-Grenzanlagen“, dann bin ich sofort bei Peter Naumann, der Dasselbe tat, nämlich DDR Grenzanlagen bei Hünfeld (Hessen) sprengte, und der auch angeblich mit Odfried Hepp „den Stellvertreter des Führers“ aus Spandau befreien wollte. Man habe sich allerdings Anfang der 1980er Jahre zerstritten.  https://sicherungsblog.wordpress.com/2014/10/23/hintergrundinfos-gesteuerter-terrorismus-in-deutschland-teil-3-rechter-terror/

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(Anklicken zum Vergrössern)

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Wie haben Sie Euch erwischt damals, Lothar? Wurdet ihr verraten von Innen heraus, oder aus dem „Umfeld“ ? Wie war das damals?

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V-Mann Behle, der beim Fahrzeug-Konvoi am Tag der Oktoberfestbombe dabei war, den die WSG Ausland an jenem 26.9.1980 durchführte, dieser IM „Felix“ – Behle kam aus der Kühnen-Truppe?

Der sich danach rühmte, in Damaskus, „die Oktoberfestbombe, das waren wir!“

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Wer ist „wir“ ? Die WSG kann es nicht sein. Wer dann?

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Weiss Rainer Fromm 1998 (Dissertation) etwa nicht, dass Behle V-Mann war, und das auch bereits bei seiner Festnahme am 27.9.1980 der Polizei gesagt hatte?

Oder stellt er sich nur dumm?

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Belastungszeuge auf freiem Fuß: Der Sprengstoff III

Juni 1985, Nürnberger Landgericht, Sitzungssaal 600

Im Prozess gegen Karl Heinz Hoffmann wird der Zeuge Hans Peter Fraas vernommen, jener junge Mann, der als ehemaliges Mitglied der WSG an Hoffmanns Libanon-Projekt teilgenommen, ihm im unmittelbaren zeitlichen Umfeld des Oktoberfestanschlags Sprengstoff in Ermreuth vorbeigebracht und diesen vor Ort eingemauert hatte. Der junge Mann erblickt den ehemaligen „Chef“, er ist seit Jahren in Haft und trägt jetzt einen ausladenden Vollbart, auf der Anklagebank an genau jenem Platz, den knapp 40 Jahre zuvor Hermann Göring eingenommen hatte.

Fraas hatte nach seiner Rückkehr aus dem Libanon im Jahr 1981 harte Vernehmungen zu erdulden gehabt und dabei Hoffmann schwer belastet. Insbesondere hatte er den Eindruck erweckt, den zur Zeit des Attentats von ihm selbst gebrachten und versteckten Sprengstoff nicht gekannt zu haben; Hoffmann habe ihn, Fraas, dazu aufgefordert, den ihm unbekannten Sprengstoff zu verstecken:

1

(Vernehmungsprotokoll Fraas aus dem Winter 1981)

Trotz einer Anklage wegen des berüchtigten § 129a, also des Vorwurfs der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, war Fraas allerdings im Gegensatz zu seinen ehemaligen Kameraden der WSG Ausland auf freiem Fuß geblieben. Ob es sich dabei um ein Entgegenkommen angesichts der Hoffmann belastenden Eigenschaften seiner Aussagen gehandelt hatte oder dieser Umstand ganz anderen Rücksichten geschuldet war, muss an dieser Stelle offen bleiben.

2

(Ladungsanschrift von Fraas: Privatadresse, keine Haftanstalt)

Bei jener Vernehmung hatte Fraas gezielt von seiner eigenen Person als ungebetenem und verhängnisvollem „Lieferanten“ des Sprengstoffs abgelenkt und, wie später gerichtlich festgestellt werden sollte, eine Reihe von belastenden Momenten gegen Hoffmann erfunden, aus zunächst nicht näher bestimmbaren Gründen.

3

(Vernehmungsprotokoll Fraas aus dem Winter 1981)

in jenem Sommer 1985 wird Fraas vor Gericht noch einmal zu der Sache vernommen. Dabei übernimmt Hoffmann das Verhör selbst; er befragt den ehemaligen Wehrsportler und Schützling, dem er im Herbst 1980 vermeintlich „aus der Patsche geholfen“ und dessen Sprengstoff er verstecken lassen hatte und konfrontiert ihn mit einer Reihe von für ihn unangenehmen Tatsachen.

Nach den Angaben des Fraas hatte diesen unter anderem ein nicht näher bekannter Mensch namens Hoppe in den 70er- Jahren mit einigen Grundlagen des Umgangs mit Explosivstoffen vertraut gemacht. Von diesem Herrn war später vor Gericht oder in der Presse nicht mehr die Rede.

Im Verlauf der Vernehmung des Schlossergesellen Fraas muss das Gericht dessen Glaubwürdigkeit erheblich in Zweifel ziehen. Die alten Vorwürfe aus den Vernehmungen des Winters 1981 lösen sich weitgehend in Luft auf; die eigene Rolle bei der Anlieferung des Sprengstoffs kommt ans Licht und der Zeuge muss seine vor Gericht zunächst mit ungebrochener Chuzpe vorgetragenen Falschaussagen Stück für Stück zurücknehmen.

4

(Vorsätzliche Falschaussage von Fraas, 1985)

Jene Falschaussagen, die man im Winter 1981 vielleicht noch dem Verfolgungsdruck des drohenden § 129a zuschreiben hätte können, werden also Jahre später vor Gericht ohne Not wiederholt. Jene Jahre waren für Fraas auch mit einer kriminellen Tätigkeit im Bereich der so genannten Hepp-Kexel-Gruppe angefüllt gewesen, an deren Ende die Verhaftung im Frühjahr 1983 samt anschließender Verurteilung wegen Banküberfällen und Sprengstoffverbrechen gestanden hatte. Welche Motive Fraas dazu bewogen haben mögen, seine Lügen zu wiederholen, muss an dieser Stelle ebenfalls zunächst ungeklärt bleiben.

Die zahllosen Falschaussagen noch Jahre später vor Gericht beinhalteten auch Behauptungen, die in die Richtung von Mordaufträgen durch Hoffmann gingen, vom „Zeugen“ jedoch selbst zurückgenommen werden mussten.

Das Gericht kam schließlich, neben der Herausstellung des Umstands, dass die festgestellten Falschaussagen nicht mehr durch den früheren Verfolgungsdruck zu rechtfertigen gewesen seien, zu folgender Einschätzung, die Glaubwürdigkeit des Zeugen Fraas betreffend:

5

(Urteil des Landgerichtes Nürnberg in der Sache Hoffmann, 1986)

Zusammenfassend muss also die Frage gestellt werden, wie es sein konnte, dass dieser junge Mann im zeitlichen Umfeld des Oktoberfestanschlags beim zunächst öffentlich unter Einsatz der Massenmedien zentral Verdächtigten Sprengstoff ablädt, diesen dann unter Zustimmung Hoffmanns auf Schloss Ermreuth dauerhaft versteckt, um ihn dann unter erhöhtem Verfolgungsdruck, wenngleich unüblich auf freiem Fuß, vollständig Hoffmann anzulasten und dieser Zeuge dann Jahre später, ohne Not, vor Gericht, diese Falschaussagen wiederholt, bevor er der Lüge überführt werden kann.

Aus der historischen Erfahrung mit den üblichen geheimdienstlichen Methoden im Umfeld schwerwiegender terroristischer Straftaten ergibt sich allerdings noch eine weitere Frage: Warum gibt die bundesdeutsche Regierung 35 Jahre nach einem solchen Anschlag die V-Mann-Akten zur WSG nicht heraus?

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(Der ehemalige WSG-Mann Fraas im Gelände, um 1978)

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Ergänzungen:

Zur Rolle des V-Mannes Fraas zwischen 1981 und 1983 ist folgende Dokumentation äusserst hilfreich:

In der Hepp-Kexel-Gruppe war der V-Mann Fraas ebenfalls Mitglied, wurde Anfang 1983 verhaftet mit den Anderen.  Nur Hepp entkam nach Ostberlin.

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Kexel wurde zu 14 Jahren Haft verurteilt und erhängte sich, Fraas war jedoch 2 Jahre später auf freiem Fuss, wie die Ladung an die Privatadresse im Jahr 1985 eindeutig belegt.

Zur Dokumentation siehe auch:  http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/fernsehen-ein-links-rechts-terrorist-packt-aus-der-rebell-bei-arte-1279122.html

Wie viele Hepp-Trupp-Leute waren im Libanon? Drei, laut Doku: Hepp, Dupper, Bergmann. Bergmann starb unter bis heute nicht geklärten Umständen.

Es war aber tatsächlich einer mehr: Peter Hamberger. Der fehlt.

Warum wohl?

Peter Hamberger ist niemals Mitglied der Wehrsportgruppe Hoffmann im Geltungsbereich der Gesetze der Bundesrepublik Deutschland gewesen. Er ist im Gefolge von Odfried Hepp mit in den Libanon gekommen und war dort einige Monate Mitglied der Gruppe, die erst später, nach ihrer Auflösung, von den deutschen Behörden unter der Bezeichnung „WSG-Ausland“ eingeordnet wurde. Mit Hamberger habe ich im Libanon überhaupt keine Gespräche geführt. Sein politisches Bewusstsein hat mich nicht interessiert. Ich hatte Hamberger zum ersten Mal gesehen, als er im Gefolge von Odfried Hepp im Libanon ankam. Zuvor niemals.

Von Peter Hamberger ist bekannt, dass er nach seiner Rückkehr aus dem Libanon nach Deutschland im Zusammenhang mit der angeblich auf Terrorismus umgestiegenen nationalsozialistisch orientierten Gruppe um Busse aktiv geworden war. So gesehen, könnte man meinen, der ehemalige Angehörige der WSG-Libanon, Hamberger, habe sich nach der Rückkehr aus dem Libanon der Terrorismus verdächtigen Gruppe um Busse angeschlossen.

Doch diese Annahme ist unzutreffend. In Wirklichkeit war nämlich Peter Hamberger vom BLKA angeworben und als V-Mann in den Kreis um Busse eingeschleust worden. Deshalb kann er schlechterdings nicht in den Terrorismus abgeglitten sein. Der erst  achtzehn Jahre alte Peter Hamberger hatte sich von den Fahndern des BLKA zu konterkriminellem Verhalten anstiften lassen.

Er war es, der die Bewegungen der jungen Neonazis an das BLKA verraten hat, als diese im Oktober 1981 in München Perlach von einen Polizei-Sonderkommando gestellt und unter Beschuss genommen wurden. Zwei der jungen Neonazis starben im Kugelhagel der Polizei.

Karl-Heinz Hoffmann 06.02.2014

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Aus der historischen Erfahrung mit den üblichen geheimdienstlichen Methoden im Umfeld schwerwiegender terroristischer Straftaten ergibt sich allerdings noch eine weitere Frage: Warum gibt die bundesdeutsche Regierung 35 Jahre nach einem solchen Anschlag die V-Mann-Akten zur WSG nicht heraus?

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Zündhütchen und Zündkapseln: Der Sprengstoff II

Herbst 1980, Asservatenkammer in Bayern

Nach der ersten Hausdurchsuchung auf Schloss Ermreuth Ende September 1980, kurz nach dem Anschlag in München, werden die beschlagnahmten Gegenstände in einem Beschlagnahmeverzeichnis aufgeführt, untersucht und in die Asservatenkammer verbracht. Unter den beschlagnahmten Gegenständen befinden sich auch zehn kleine Objekte, die noch Jahrzehnte später von so genannten investigativen Journalisten in einen mutmaßlichen Zusammenhang mit Sprengstofffunden in Ermreuth gebracht werden. Im letzten Teil der Serie war davon die Rede, dass diese Sprengstofffunde ebenfalls Jahrzehnte später noch in lügenhaften Verdachtstheorien eine Rolle spielen sollten.

Was liegt nun in diesem Sommer 1981 in der bayerischen Asservatenkammer, und was beschreibt die Autorin eines meinungsführenden Magazins im Jahre 2015 nach vorgeblichem Aktenstudium?

„Die Ausbeute auf Hoffmanns Schloss Ermreuth fiel mit zehn Zündkapseln eher mager aus. Der Grund: Die Kripobeamten übersahen den dortigen Sprengstoff.“

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(Renommiertes Hetzblatt aus Hamburg)

Der unbedarfte Leser kommt angesichts einer solchen Formulierung nicht umhin, die erwähnten „Zündkapseln“ auf den „übersehenen“ Sprengstoff zu beziehen, dessen Beschaffenheit freilich per se zu hinterfragen ist, wie im letzten Teil der Serie dargelegt wurde. Die Formulierung insinuiert, dass es im Fall eines Sprengstofffundes auf Ermreuth kurz nach dem Anschlag für die Kriminalpolizei „fette Beute“ gegeben haben müsste. Schließlich geht der Leser unwillkürlich davon aus, dass man mit besagten „Zündkapseln“ den Sprengstoff hätte zünden können, es also eine Art Zünder-Infrastruktur für den lügenhaft mit der Sprengvorrichtung des Anschlags in Verbindung gerbachten Sprengstoff auf Ermreuth gegeben habe.

Hätte die Autorin des Beitrags in dem Hamburger Hetzblatt allerdings von ihren behördlichen Informanten neben den genehmen Aktenteilen auch jene Aktenteile zugespielt bekommen, in denen das Beschlagnahmeverzeichnis der Hausdurchsuchung auf Ermreuth enthalten ist, hätte sie bei einigem guten Willen Gelegenheit gehabt, ihre Leser darüber zu informieren, dass die angeblichen „Zündkapseln“, die man 1980 auf Ermreuth beschlagnahmt hatte, wie folgt aussahen:

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(Zündhütchen eines historischen Perkussionsschlosses, siehe rote Markierung)

Die freiberufliche investigative Journalistin macht in ihrem Artikel, der wie gesagt die Deutungshoheit über die Ereignisse im Kontext des Oktoberfestattentats beansprucht und mittels „Aktenstudium“ begründen will, ein zu einem historischen Gewehr passendes Zündhütchen zu einer „Zündkapsel“ und schwindelt das Ganze in einen lügenhaften Verdacht der funktionalen Zugehörigkeit zu „verdächtigem“ Sprengstoff aus dem 20. Jahrhundert.

Historische Zündkapseln dieser Art besitzen in etwa die „Brisanz“ von handelsüblichen Streichhölzern.

Die mögliche Ausrede der bei der staatlich gelenkten Lüge ertappten Journalistin, in einigen – freilich böswillig manipulierten – Aktenteilen sei von „Zündpillen“, also elektrischen Brückenzündern, die Rede, kann insofern nicht durchgehen, als man mit solchen Brückenzündern zwar Pyrotechnik, niemals aber TNT zünden kann.

Eine Ausflucht ist also nicht möglich, die staatliche Aktendurchstecherei samt zugehöriger vorgekauter Narration (ein Vorwurf, der gerne dem Arbeitskreis NSU gemacht wird und dort nicht unbegründetes Gelächter hervorruft) ist als Methode der systematischen Desinformation der Öffentlichkeit deutlich herausgearbeitet.

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