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„Unternehmen Asasel“ Das strategische Grundkonzept I

zuerst erschienen auf: http://karl-heinz-hoffmann.com/aktuell.html

Rückblick auf 1979/80, im März 2015

Das „Unternehmen Asasel“ folgte einer strategischen Idee. Jede Idee findet ihren Anfang im Hirn eines Einzelnen. Zur praktischen Umsetzung braucht der Visionär geeignete Ideenträger. Das ist nicht anders wie im Wirtschaftsleben, wo der Erfinder zur Verwirklichung seiner Idee auf die Finanziers als Träger der Idee angewiesen ist. Die praktische Umsetzung einer Idee ist aber nicht nur von den materiellen Möglichkeiten abhängig, sondern auch vom Vorhandensein einer Bedarfssituation. Auf dem unsichtbaren Feld der geheimdienstlichen Psychopolitik war der Boden für das „Unternehmen Asasel“ aufnahmefähig vorbereitet.

An der gesellschaftspolitischen Situation der Bundesrepublik hat sich seit Jahrzehnten kaum etwas geändert. Auf eine einfache Formel gebracht, heißt das: Es gibt nach wie vor für die Geheimdienste Handlungsbedarf im Hinblick auf alle Bestrebungen, die auf die Unabhängigkeit der Deutschen von ausländischer Bevormundung abzielen.

Wirtschaftlich geht es um die Aufrechterhaltung der Abhängigkeit vom global vagabundierenden Kapital. Diese kann aber nur aufrechterhalten werden, wenn das ausländischen Mächten gewaltunterworfene Herrschaftssystem intakt bleibt. Weil nur dieses Herrschaftssystem die hintergründige Einflussnahme der Kapitalgesellschaften gewährleistet. Zwei Staaten haben ein besonderes Interesse an der Aufrechterhaltung der politischen Herrschaftsverhältnisse: Die Vereinigten Staaten von Amerika und Israel. Für die Israelis kommt mit dem Problem des Antisemitismus noch eine Besonderheit hinzu. Wobei im hier zur Debatte stehenden „Asasel“-Komplott, wohl eher das durch die Vertreibung der Palästinenser entstandene Problem des Vorhandenseins arabischer Befreiungsbewegungen eine vorrangige Rolle gespielt haben dürfte.

Ich bin jahrzehntelang davon ausgegangen, dass sowohl für die Idee als auch für die Durchführung des Oktoberfestattentates nur die Israelis unter Einbeziehung deutscher Geheimdienste verantwortlich waren. Diese Einschätzung habe ich 1980 in Beirut für den Sicherheitsdienst der El Fatah in einer Fall-Analyse schriftlich zusammengefasst. Das Papier gelangte damals über den Sicherheitsoffizier der Fatah, Atef Byseiso zum MfS der DDR. Diese Fallanalyse ist heute für jedermann zugänglich.

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Ich meine auch heute noch, dass ich mich in der grundsätzlichen Beurteilung der Hintergründe des Oktoberfestattentats nicht geirrt habe. Dennoch muss ich einige Abstriche machen. Damals bin ich von der Urheberschaft des Mossad ausgegangen. Heute sehe ich das in dieser Ausschließlichkeit nicht mehr. Und zwar deshalb nicht, weil ich inzwischen eine wichtige Erkenntnis gewonnen habe, die ich damals nicht hatte. Ich meine die gesicherte Erkenntnis, dass der Mann, der mich in den Libanon lotste, im Auftrag des BND gehandelt hat.

Heute würde ich den Ideengeber und Konstrukteur des „Asasel“-Grundkonzeptes nicht in Israel suchen. Das soll aber nicht heißen, dass ich den Israelis Dispens auf der ganzen Linie erteile.

Der Mossad muss das Vernichtungskonzept auf jeden Fall gekannt und gebilligt haben, und darüber hinaus gehe ich, ohne diesen Vorwurf konkret beweisfähig machen zu können, davon aus, dass der letzte blutige Akt des unwürdigen, menschenverachtenden Spiels von einer Kidon-Einheit vollzogen wurde.

Niemand wird jemals herausfinden können, wer am 26.September des Jahres 1980 den Explosivkörper auf der Theresienwiese zur Zündung gebracht hat. Ebenso wenig wird nie geklärt werden, wer die Bombe gebaut und zum Tatort gebracht hat. Dieser Handlungsabschnitt des Verbrechens liegt im Dunkeln, aber die aktive Tatbeteiligung von BND und Verfassungsschutzämtern ist gut nachvollziehbar und in weiten Teilen beweisbar.

Ich werde darauf achten, bei der weiteren Erläuterung der geheimdienstlichen „Arbeitsgemeinschaft“ deutlich zu unterscheiden, zwischen beweisbaren Fakten und vernünftig nachvollziehbaren Schlussfolgerungen. Wenn ich gelegentlich eine Vermutung äußere, dann wird sie als solche kenntlich gemacht und begründet.

Ich habe gute Gründe, davon auszugehen, dass die Idee zum „Unternehmen Asasel“ von dem Top-Geheimdienstagenten Werner Mauss erdacht wurde. Seine führende Rolle bei der Umsetzung ist auf jeden Fall beweisfähig.

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Im Amt hieß der Mann nur „M“. Wenn er durchs Haus ging, mussten vorher die Türen zugemacht werden. Niemand durfte auf dem Flur sein. „M“ war das bestgehütete Geheimnis des Bundeskriminalamtes.

Aber Mauss mischte bei allen geheim arbeitenden Behörden mit.
Frank Peter Heigl, ehemaliger Beamter des Bundeskriminalamtes und späterer Journalist berichtet, er habe Mauss das erste Mal 1979 in der BKA Außenstelle in der Biebricher Allee in Wiesbaden gesehen.
(Quelle: Stefan Aust)

Diese Anmerkung verdient besondere Beachtung, weil nämlich Frank Peter Heigl ein Jahr später im September 1980 vom Chef des bayerischen Verfassungsschutzes und ehemaligen BND-Mann Dr. Langemann mit gefälschten Berichten zum Oktoberfestattentat gefüttert worden war. Dieser Sachverhalt ist erwiesen und amtsbekannt.

Es fällt auf, wie sich mit der Bekanntschaft von Werner Mauss, Frank Peter Heigl und Dr. Langemann der Kreis schließt. Alle drei kannten sich und waren an jeweils einer anderen Stelle, aber im Zusammenhang mit dem Oktoberfestattentat involviert.

Zu einem nicht mehr genauer bestimmbaren Zeitpunkt suchte der Top-Agent Mauss unter falschem Namen den Kontakt zu mir. Nach telefonischer Vereinbarung traf ich mich mit ihm in einem Café in Heroldsberg. Es dürfte in der Zeit November oder Dezember 1979 gewesen sein. Der genaue Zeitpunkt ist mir nicht mehr erinnerlich, weil das Gespräch damals für mich uninteressant war. Seine Antrittslegende war der Vorschlag, den WSG-Männern eine Möglichkeit zum Drachenfliegen bieten zu können.

An die Person Mauss und das Gespräch erinnere ich mich aber deshalb so gut, weil mir an ihm eine Besonderheit aufgefallen war. Mauss hatte sich eine Haarverpflanzung machen lassen. Seine Kopfhaut war mit kurzen, eingepflanzten Haarbüscheln übersät. Es sah aus wie ein Schrubber. Mauss hatte sich wohl damals einen persönlichen Eindruck von mir machen wollen, bevor er weitere Schritte unternahm. Ich hatte diesem Treffen früher nie eine Bedeutung zu gemessen, erst als mir das Zusammenspiel des Agenten Mauss mit Albrecht bekannt wurde, konnte ich einen Zusammenhang erkennen.
(Eigene Wahrnehmung)

Um die Jahreswende 1979/80 trat Werner Mauss unter dem Tarnnamen Jung mit dem im November 1979 aus langjähriger Haft entlassenen Rechtsextremisten Udo Albrecht in Kontakt. Mauss offenbarte sich Albrecht gegenüber zunächst nicht, ließ aber erkennen, dass er die besten Beziehungen zu Behörden habe. Etwas später machte er keinen Hehl mehr aus seiner nachrichtendienstlichen Tätigkeit.

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Albrecht erzählte ihm von seinen Plänen, Kraftfahrzeuge in den Nahen Osten zu verkaufen. Mauss bot ihm dafür seine Unterstützung an, aber nur für den Fall, dass Albrecht ihm wirtschaftliche und politische Informationen aus dem Libanon und Syrien liefern würde. Albrecht ging darauf ein.

Im Verlauf der Besprechungen erklärte Albrecht, dass er auf jeden Fall bei der Beschaffung interessanter Nachrichten behilflich sein könne. Er berichtete unter anderem von einer Persönlichkeit in einflussreicher Position, die er als Quelle anzapfen könne. Der Mann sei BMW-Liebhaber. Wenn man ihm eine BMW-Luxuslimousine liefern könnte, wäre das der nachrichtendienstlichen Abschöpfung dienlich.

Der Name dieses in einflussreicher Position befindlichen Palästinensers wird in der mir zugänglichen Quelle nicht genannt. Aber aus den mir bekannten Umständen darf als sicher gelten, dass es sich um Atef Byseiso handelte. Anfänglich hatte Werner Mauss zugesagt, einen von Albrecht zu beschaffenden BMW zu finanzieren, zog aber dann diese Zusage wieder zurück. Die Gründe dafür kann ich vermuten, sie spielen aber keine Rolle.
(Quelle für die Umstände der Kontaktaufnahme des Top-Agenten Werner Mauss mit Udo Albrecht: Stefan Aust, Mauss ein deutscher Agent, Hoffmann und Campe).

Albrecht klaute einfach eine BMW-Luxuslimousine, mit der er eine Zeit lang in Deutschland herumfuhr, um sie dann im Frühjahr 1980 per Achse nach Beirut zu verbringen. Das verlief nicht ganz ohne Zwischenfall. An der jugoslawischen Grenze war die Fahrt erst einmal zu Ende. Der BMW war international zur Fahndung ausgeschrieben. Die jugoslawischen Grenzer hatten das Fahrzeug etwas genauer unter die Lupe genommen und bei der Überprüfung der Fahrgestell-Nummer festgestellt, dass der Wagen gestohlen war. Udo Albrecht wurde festgenommen. Doch lange brauchte er nicht zu warten, bis er weiterfahren konnte. Er holte sich Hilfe aus Beirut. Ein „hochrangiger“ Palästinenser erreichte bei den Behörden in Belgrad, dass Albrecht samt gestohlenem Auto weiterfahren durfte.

Der einflussreiche Palästinenser, den es für den BND abzuschöpfen galt, war Atef Byseiso. Ich kannte den BMW, weil Albrecht kurze Zeit vorher bei mir in Heroldsberg damit vorgefahren war. Später im Libanon erkannte ich dieses, nun im Besitz des Atef Byseiso befindliche Auto sofort wieder. Damit ist erwiesen, dass mit dem Palästinenser in einflussreicher Position, der von Albrecht im Gespräch mit Werner Mauss zur Sprache kommt, niemand anderer als Atef Byseiso gemeint sein konnte.

(Der voranstehende Bericht beruht auf persönlich gewonnenen Erkenntnissen. Eine Vertrauensperson von mir war bei dem Vorkommnis an der jugoslawischen Grenze anwesend.)

Die Tatsache, dass der Allround-Geheimagent Werner Mauss den Rechtsextremisten und PLO Vertrauten Udo Albrecht, noch vor dem Jahresende 1979 mit erpresserischen Mitteln gefügig gemacht und als Agent und Provokateur angeworben hatte, geht aus einem Schreiben, welches Albrecht später aus der Haft an den damaligen Innenminister Baum gerichtet hatte, eindeutig hervor und ist somit bewiesen.
(Quelle: Stefan Aust)

05.03.2015
Karl-Heinz Hoffmann

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Gundolf Köhler kam zwar aus der DDR, aber er war nicht als Agent eingeschleust

Als Bundesinninminister ist es nicht nötig, von Sachverhalten Ahnung zu haben. Im Gegenteil, die schadet bloss, 1981 wie auch 2011 ff.:

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http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14342725.html

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Interessant ist dabei, dass Baum diesen Satz nicht 1 oder 2 Tage nach dem Oktoberfest-Attentat zum Besten gab, sondern darüber aktuell am 29.06.1981 berichtet wurde, also 9 Monate nach dem Anschlag.

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Wahr ist: Geboren in Schwenningen, Neckar, nicht in der „Zone“…

gk-perso

Gundolfs Vater stammte ja aus der DDR, oder aus der Zone, wie wir sagten

http://oktoberfest.arbeitskreis-n.su/schuelerzeitung-kaenguru-erinnerungen-an-gundolf-koehler/

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Sehr interessant bei der Suche nach dem Besitzer der gefundenen Hand, deren Fingerabdruck auf Studienunterlagen Gundolf Köhlers gefunden wurde, siehe voriger Beitrag:

Wir haben ihn nie richtig erreicht. Er war ein bisschen scheu, man hat ihn nicht in seinem Zimmer aufgesucht, außer das eine, letzte Mal… er war immer bei den anderen zu Gast.

(nach einem Bericht von Axel Heinzmann)

http://oktoberfest.arbeitskreis-n.su/schuelerzeitung-kaenguru-erinnerungen-an-gundolf-koehler/

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Die WSG Hoffmann in der Dissertation von Rainer Fromm, ZDF-NSU-Filmemacher, Teil 5

In Teil 4 steht, dass die WSG Hoffmann keine Terrorgruppe war, bei der WSG Ausland sähe das anders aus. Konkret ist da allerdings nichts, bislang. Das übliche Unbewiesene.

Den Auftritt der Hoffmann-Truppe muss man wohl als veralbernde Provokation auffassen und deuten, oder schlicht exzentrisch nennen.

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Teil 5: Die Gegner und die Förderer im rechten Spektrum

3 unserer Ausgangsfragen sind leidlich beantwortet:

1. Was wollte Hoffmann mit seiner WSG überhaupt? Wozu das Ganze?

2. Ist die WSG eine Neonaziorganisation gewesen?

9. Wie waren die Beziehungen zu anderen Nazi-Verbänden?

zu 1. Ein Spielzeug wollte Hoffmann, einen Organismus, Einfluss. Irgendwie so.

zu 2. Grösstenteils eher Nationalpatriotismus, aber „scharf Rechts“ sicherlich. Wie weit die Prägung in einer „Feierabendarmee“ tatsächlich erfolgte scheint zweifelhaft. Ein Sammelbecken für „Rechte aller Art“ war die WSG sicher.

zu 9. Eng, durch „Doppelmitgliedschaften“ ihrer Führungspersonen.

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Durchlauferhitzer zur Radikalisierung?

Fromm verweist auf die Biografien zahlreicher WSG-Mitglieder und meint, die JN der NPD sei eine Art Durchlauferhitzer für Rechte auf dem Weg zum Terrorismus gewesen. Marx, Satorsky, Hepp etc.

Die VS-geführte Partei NPD steuerte schon 1977 dagegen:

Daher der Unvereinbarkeitsbeschluß vom März 1978, der auch die WSG Hoffmann einschließt

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Man schmeisst die WSG-ler dann raus aus der NPD, bestätigt auch Udo Voigt.

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Ein grosser Förderer war DVU-Chef Frey:

Bezahlte im Gegenzug zu Saalschutz eine 8000 DM Geldstrafe für Hoffmann wegen „Uniformtragen“ 1975, und:

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Der Frey sieht die Spleens so ähnlich wie ich. Uniformspleen, Militariaspleen. Exzentriker Hoffmann?

Interessant für unsere Thematik ist die Verbindung Hoffmann-Heinzmann-Gundolf Köhler, die Fromm wie folgt darstellt:

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Heinzmann

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Köhler sei von Hoffmann an Heinzmann verwiesen worden… wegen Interesse an Gründung einer WSG in Tübingen.

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Behrendt, Selbstmord im Libanon 1981…

Da muss ein Fragezeichen gesetzt werden… weitere Details sind nötig.

Somit haben wir die Protagonisten beisammen.

Ende Teil 5

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Die WSG Hoffmann in der Dissertation von Rainer Fromm, ZDF-NSU-Filmemacher, Teil 4

Folglich kann die “Wehrsportgruppe Hoffmann” als eine der wenigen deutschen rechtsextremistischen Nachkriegsorganisationen als “neofaschistisch” bezeichnet werden, während der Begriff  “neonazistisch” zu verwerfen ist..

Okay, das hätten wir geklärt: Kein Neonazi, aber auch kein Demokrat. Kein Rassist.

So endete Teil 3. Rechtsextreme Nichtneonazisten, aber  ohne Rassismus, zumindest was den „Chef“ angeht.

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Teil 4: Terror!

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… werden, dem 13 Menschen zum Opfer fallen.

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Hier merkt man dem Buch sein Alter an, nichts desto trotz ist es „Stand der Forschung“. Eine genaue Analyse der Akten steht noch aus. Sie ist jedoch längst in Arbeit.

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Ein paramilitärischer Verband war sie zweifellos, wie Fromm feststellt:

Auch um „Heroismus“ bemüht sich Hoffmann, etwa mit Fantasieauszeichnungen, die in der WSG-Publikation präsentiert werden:
„Für die Kameraden, die auch heute noch ihren Dienst für die WSG in Uniform versehen, habe ich, in Erinnerung an die Anfangsjahre und dankbare Anerkennung, ein Ehrenärmelband mit der Aufschrift ‚Almshof gestiftet. Es wird nur von den Männern der ersten Stunde aus dem Jahre 74 und davor als Traditionsabzeichen und Ehrung am linken Ärmelaufschlag getragen. (… ) Wem bewußt ist, wieviel Einsatzbereitschaft und Charakterfestigkeit Voraussetzung für diese Ehrung war, zollt gerne den gebotenen Respekt.“ (‚Kommando‘, Mai 1979, S. 5)

Da Hoffmanns Gruppe nicht auf eigene „herorische“ Taten zurückblicken kann,
hilft die Fantasie des Herausgebers nach. Somit können der WSG als politischer  Wehrsportgruppe, folgen wir der Definition Schwagerls, durchaus organisationssoziologische Paralellen zur SA diagnostiziert werden

Die WSG Hoffmann als „neue SA“, man denkt an Odfried Hepps WSG Schlageter. Blutzeugen der Bewegung, so nannte man die wohl. Horst Wessel etc pp. Wiki hilft…

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Auch wenn es vor dem WSG-Verbot kaum Indikatoren gibt, die die Organisation
als terroristische Gruppe ausweisen, ist doch eine große Militanz signifikant.

Freispruch, nichts anderes als ein Freispruch ist das.

Auf die Frage, warum er 1973 die Gründung einer „Wehrsportgruppe“ der einer Partei vorgezogen habe, sagt der Rechtsextremist dem Nachrichtenmagazin ‚Der Spiegel‘:

„Spezielle Gründe sprachen gegen eine Parteigründung. Ich hätte sonst genau das getan, was man vom Bundesbürger will. Er soll sich im Parteileben erschöpfen, sich abarbeiten, spenden und aufopfern für irgendeine Idee, aber dann soll er letzten Endes an der Fünf-Prozent-Klausel scheitern. Nein, da müßten die Voraussetzungen ganz anders sein. Da müßte der Grundsatz, daß man Minderheiten gestatten möchte, zu Mehrheiten zu werden, auch tatsächlich ernst genommen werden.“ (‚Der Spiegel‘, 24. 11.1980)

So wird deutlich, daß Hoffmann überhaupt nicht bereit ist, sich demokratischen Spielregeln der parlamentarischen Demokratie zu unterwerfen. Damit wird klar, daß die Organisation nicht auf einen politischen Meinungsstreit setzt.

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Das stimmt nicht, ist erkennbar falsch. Mit „sich zu unterwerfen“ hat das nichts zu tun. Es bestätigt nur, was bereits zitiert wurde: Die WSG ist zwar Rechts, aber nicht einheitlich, und Hoffmann ist die Parteipolitik schlicht egal. Er unterwirft sich dem Gesetz, aber die BRD-Politik kümmert ihn nicht. Er hält sie für fremdbestimmt.

Ich denke, damit kommen Fromms nicht klar. Daher wird fleissig hinein gemutmasst, wo wenig ist. Das tun alle von Fromm Zitierten gleichermassen. Fällt auf.

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Der höchste WSG-Offizier nach Hoffmann ist ein gewisser Bernd Grett, der heute eine Fahrschule in Plauen besitzt.  Grett ist ein Kumpel von Willi Voss, dem Olympia-Attentatsvorbereiter und Fatah-Mitkämpfer, Deja Vu ! Dort hin gehört auch Udo Albrecht, der BND-Mann wider Willen, wie Hoffmann meint.

Nationalsozialistische Kampfgruppe Großdeutschland (NSKG)

Die Rechtsextremisten kommen jedoch nicht über die Planung hinaus. Bevor sie den ersten Anschlag verüben können, wird die Gruppe am 11 . 10.1972 zerschlagen. Bei  Hausdurchsuchungen  beschlagnahmt die Polizei: Eine Maschinenkanone mit gegurteter Munition, drei Maschinengewehre mit ungezählter Munition, fünf Maschinenpistolen, neun Karabiner, zwei Kleinkalibergewehre, zwei Gewehre, ein Flobertgewehr, Sprengstoff, zehn Panzerfaustgranaten und zahlreiche Handgranaten. (vgl. Verfassungsschutzbericht 1972, S. 37)

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Im Ausland existieren Beziehungen zu palästinensischen Terroristen, wie unter
anderem der Ex-Terrorist Willi Pohl, alias „E.W.Pless“ in seinem auf persönlichen Erlebnissen basierenden Roman „Geblendet“ (S . 112) beschreibt. In der NSKG-Publikation ‚Der Nationalsozialist – Kampfschrift zur Befreiung Deutschlands aus der Knechtschaft‘ bekennen sich die Rechtsextremisten selbst zu Kontakten zur „Palästinensischen Befreiungsbewegung“ . (vgl. Verfassungsschutzbericht 1972, S. 38) Weitere Verbindungen bestehen zum amerikanischen „Bund Deutscher Nationalsozialisten“ , in dessen Organ ‚NS-Kurier‘ für die NSKG geworben wird.
Beleg für das terroristische Potential der NSKG ist ferner die Tatsache, daß der Polizei bei Durchsuchungen Vollmachten, Operationspläne und Anleitungen zur Geiselnahme in die Hände fallen. Nach dem Verbot der NSKG sollen zahlreiche ihrer Mitglieder den Weg in die „Wehrsportgruppe Hoffmann“ gefunden haben.

Man sollte erkennen: Überschaubarer Kreis von Leuten, die sich irgendwie kannten. Nicht Jeder kannte Jeden, aber man kennt sich zumindest indirekt, über Dritte. Das Potential war da, und die Geheimdienste spielten fleissig mit.

Honigtöpfe waren diese WSGs allemal, und es wurde fleissig rekrutiert.

Hier auch:

Nationale Deutsche Befreiungsbewegung (NDBB)
Die Gruppe wird 1970 von dem Autoverkäufer Roland Tabbert in seiner Heimatstadt Hanau gegründet und versteht sich als Vorläufer einer neuen NSDAP

Der dann später mit Kühnen ein Freiwilligenbataillon für Sadam Hussein 1990 zusammenstellen wollte… hat man da Worte?

Die haben sie doch nicht alle beisammen, diese V-Leute…

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Tabbert wird vor Gericht von dem Anwalt Wilhelm Schöttler vertreten. Dieser verteidigt auch den späteren Karl Heinz Hoffmann-Partner Udo Albrecht.
Gleichzeitig ist Schöttler Ehrenpräsident der „Gesellschaft für deutsch-arabische
Freundschaft“, der auch der WSG- und NDBB-Aktivist Johannes Kößling angehört. (vgl. Schröder 1992, S. 133)

„Partner“,  da würde Hoffmann sicher opponieren, aber zunächst war Albrecht derjenige, der Hoffmann in den Libanon lotste im Frühjahr 1980. Weisungsgemäß im Auftrag des BND… und der „falsche Vertrag“ mit Faschisten statt PLO, den fertigte eben dieser Anwalt Schöttler.

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Das war auch Voss´ Anwalt 1972, und er dürfte im Sinne der Geheimdienste agiert haben. BND und BfV, mindestens…

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Was war also die WSG Hoffmann? Ein Honigtopf, sicherlich, so wie 20 Jahre später der Ku Klux Klan mit Piatto vornedran, mit Corelli etc pp.

Was war sie seitens der Intention des Gründers?

WSG-Gründung als Resultat der Militarisierung
Hätte es die WSG seit 1974 nicht gegeben, die militantesten Gegner des parlamentarischen NPD-Kurses und eine aufrückende neue rechtsextremistische Generation (vgl. Hennig 1982, S. 23fl) hätten sie irgendwann in den siebziger Jahren erfunden. So sind es auch zahlreiche ehemalige Anhänger der „Aktion Neue Rechte“ (ANR) und der „Aktion Widerstand“ (AW), die neben den Anhängern
neonazistischer Organisationen das politische Potential der WSG-Anhänger stellen. Nach dem Niedergang der „Aktion Widerstand“ haben die militanten Antikommunisten ihre politische Plattform verloren. Auf der Suche nach einer strukturellen Alternative bietet sich für diejenigen, die sich vor einer kommunistischen
Unterwanderung der Gesellschaft oder einer drohenden Sowjet-Invasion fürchten, die „Wehrsportgruppe Hoffmann“ als Organisationsalternative an. Diese versteht
sich als Bürgerkriegsarmee gegen den Bolschewismus.

So prahlt Hoffmann: „in einer bürgerkriegs-ähnlichen Situation wären wir die die richtigen Leute. Wir sagen nicht von vornerein, da wird’s schwierig, wir haben keine Hemmungen, gegen
einen Kommunisten vorzugehen“. (‚Konkret‘, Januar 1977 zit. aus: Rabe 1980, S.195). Auch das SPD-Organ Vorwärts greift ein Hoffmann-Zitat auf: „Wir fühlen uns als Soldaten gegen die rote Flut-“ (‚Vorwärts‘, 5.4.1979)

Hoffmann hat gerne mal auf die Kacke gehauen, und sich dabei einen gefeixt?

Mit zugelöteten Gewehren gegen die Sowjetinvasion, die nie kam?

Mit „Panzern“?

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Ich bin vielleicht nicht der Richtige, um das zu beurteilen, aber solche Feierabend-Veranstaltungen kann ich nicht ernst nehmen. Tut mir leid. Ist für mich Spinnerei, Träumerei, totale Fehleinschätzung der eigenen Möglichkeiten.

In der BRD konnte das nie etwas werden. Niemals.

Schlussfrage: Sind das „SS-Uniformen“ ?

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Totenkopfabzeichen, ja, das ist SS-Stil.

Oder es ist ganzjähriger Karneval.

Auf alle Fälle ist es nicht mein Ding, es ist peinlich.

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Fatalist wählt „ganzjähriger Fasching“.

Ende Teil 4.

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Die WSG Hoffmann in der Dissertation von Rainer Fromm, ZDF-NSU-Filmemacher, Teil 3

In Teil 2 waren wir in die 500 Seiten eingestiegen.

Das war der “Stand der Forschung”: Hoffmann entwickelte einen Faschismus eigener Prägung, war kein klassischer “3.Reich-Nazi”, und lockte viele Jugendliche und Nationalisten an, mit Hilfe auch und gerade der Medien.

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Teil 3: Das Kapitel   3. Ideologie der Wehrsportgruppe Hoffmann

Vorbemerkung: Hoffmann schreibt, es habe die gar nicht gegeben, die einheitliche Ideologie.

Selbstdarstellung:

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Hoffmann selbst hatte jedoch eine:

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Im Gespräch mit dem ‚Vorwärts‘ macht Hoffmann klar, was er am NS-Staat gut
und was er schlecht findet. Er schätzt das Führertum. Doch der Nationalsozialismus habe das Führerprinzip um zwei Bestandteile erweitert: „Um die Rassentheorie und um die Bodenerwerbstheorie mit dem Gedanken vom ‚Volk ohne Raum‘: Beides lehne ich ab“ . (‚Vorwärts‘, 9.1.1975)

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Hoffmann sieht sich selbst als Patrioten, und befürwortet die Wiederherstellung Deutschlands in den Grenzen vom 1.9.1939, also mit Österreich:

„Das 3. Reich war nicht nur Rechtsnachfolger des ehemaligen deutschen Kaiserreiches sondern durch den friedlichen Zusammenschluß mit Deutsch-Österreich auch eindeutig der Rechtsnachfolger der ehemaligen österreichisch-ungarirschen Donaumonarchie. Im Zuge dieser, den Nationalisten zustehenden Rechtsanspruche hatte Hitler dama1s – stellvertretend für das deutsche Volk – nicht nur die Einverleibung der Tschechoslowakei fordern dürfen, sondern er hätte darüberhinaus auch einen legitimen Anspruch auf alle weiteren zum ehemaligen österreichisch-ungarischen Kaiserreich gehö-
renden Gebiete gehabt.“ (‚Kommando‘, Juli 1979, S. 8)

Ah ja…

Hoffmanns geographischer Gegenentwurf zu den bestehenden Staatsgrenzen hat konkrete Konturen. Im Gespräch mit dem ‚Stern‘ fordert er Österreich „heim ins Reich“, ebenso die „geraubten Ostgebiete“ und vorher die  Wiedervereinigung mit der „Zone“- (‚Stern‘, 28.2.1974)

Die Zone hat uns ja mittlerweile einverleibt, möchte man anmerken. Gauck und Merkel, danke, soviel Zone wollten wir nie…

Die Österreicher und die Ostgebiete, fatalist empfiehlt zunächst die Reconquista der Scharia-Zonen deutscher Großstädte. Das ist Aufgabe genug…

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Antiamerikanismus
Hoffmanns Feindbild Nummer eins sind die Vereinigten Staaten von Amerika und
die sogenannte „internationale Hochfinanz“ . Besonders stört ihn die angebliche militärische Dependenz Deutschlands, in der er die Ursache aller anderen Abhängigkeiten festmacht:

„Die wirklichen Feinde des deutschen Volkes sind für uns leider unangreifbar, weil sie
nicht offen in Erscheinung treten. Unser Unglück kommt von Übersee. Wir sind auch
heute noch ein besetztes Land und völlig in der Hand der Vereinigten Staaten von Amerika.“ (Hoffmann, Verrat und Treue, S. 101)

Da würde ihm nicht nur Willi Voss zustimmen. Auch Jürgen Elsässer, und fatalist.

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Antikommunismus
Ähnlich wie die Nationalrevolutionäre mit ihrer Idee eines „Dritten Weges“ wendet sich Hoffmann gegen Kommunismus und Kapitalismus. Die Sowjetunion wird
neben den USA für den angeblichen kulturellen Niedergang Europas verantwortlich gemacht.

1975 sicher nicht ganz falsch. Die Berliner Mauer stand.

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Demokratiefeindlichkeit und Ablehnung des Parlamentarismus

In seinem Buch „Gedanken und Verse eines deutschen Patrioten“ bezeichnet
sich Hoffmann als „Gegner jeder Spielart demokratischer Ordnungen“ (S . 3)

Demokratie setzt kritische Öffentlichkeit voraus. Als „Nebenprodukt“ der Abschaffung der demokratischen Grundordnung strebt Hoffmann an, die Arbeit der Medien zu kontrollieren und die Pressefreiheit einzuschränken: „Wenn Ordnung  in den Saftladen gebracht werden soll, dann muß die Presse an die Kette gelegt werden.“ (‚General-Anzeiger‘, 27 .9.1984) Die Schuld liegt nach Hoffmanns Auffassung im zu weitreichenden deutschen Pressegesetz. In seinem Gedichtband schreibt er:
„Das Pressegesetz gtbt den Hintermänndern der Massenmedien die uneingeschränkte Möglichkeit, durch dauernde demagogische Beeinflussung jede gewünschte  Meinungstendenz unter den Massen zu erzeugen.“ (Hoffmann 1973 , S. 76)

Lügenpresse stimmt schon, das kann man nicht bestreiten, aber das Kind mit dem Bade auszuschütten ist keine Lösung.  Direkte Demokratie wie in der Schweiz ist dem BRD-Parlamentarismus sicher vorzuziehen.

Ohne „brauchbare Medien“ funktioniert allerdings auch die direkte Demokratie nicht wirklich. Aber besser als das, was ist.

Demokrat ist Hoffmann also nicht. Rassist auch nicht, moderner Faschist schon eher. Was hat er gegen das Schweizer Modell?

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War denn nun die gesamte WSG, 400 Leute, was Hoffmann war? Darf man das gleichsetzen?

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Auch Hoffmann versucht, die wahren Inhalte seiner Ideologie zu entschärfen und stellt sich gerne als radikaler Systemkritiker dar, der jedoch generell das Grundgesetz anerkennt. So schreibt er in der Entgegnung zur WSG-Verbotsverfügung, bei seiner Wehrsportgruppe handele es sich lediglich um einen „Feierabendverein“ . Auch fehle es an einem „kämpferisch-aggressiven Handlungswillen“.

Bei einem Vortrag am 29.10.1976 habe er ferner „ausdrücklich erklärt, er  erkenne die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland voll an.“ (Bundesverwaltungsgericht, BVerwG, 1 A 3 .80, 25.11.1980, S.9) In diesem Zusammenhang
sagt er: „Ich bin nie davon ausgegangen, daß man in unserem Land einen gewaltsamen Umsturz betreiben könnte.“ Er habe zwar alle verfügbare Revolutionsliteratur gelesen, wie etwa Che Guevara und Mao Tsetung. In der Bundesrepublik bestehe aber keine Aussicht auf Erfolg, da die eigentliche Machtzentrale in Washington liege. (‚General-Anzeiger‘, 27 .9.1984)Dieser Argumentation folgen die Richter des Bundesverwaltungsgerichts nicht.

Hoffmann sieht seine Einwände, er erkenne „die heutigen Gesetze der Bundesrepublik voll an“, als „widerlegt“ . (Bundesverwaltungsgericht, BVerwG, 1 A 3 .80, 25 .11.1980, S. 36)

Die Ideologie der „Wehrsportgruppe Hoffmann“ ist der fdGO diametral entgegengesetzt. So präsentiert sich die WSG als politische Kraft, die
die parlamentarische Demokratie und ihre Repräsentanten ablehnt, und sich als
Speerspitze eines Umsturzes begreift. Die Frage, ob es sich bei der Hoffmann Gruppe also nur um einen „radikalen“ Verband handelt, muß negiert werden.

Alles Andere wäre auch kaum zu erwarten gewesen. Der Antiamerikanismus Hoffmanns, und seine Feststellung der Nichtsouveränität der BRD war für Bonn viel gefährlicher, als es die Ablehnung der parlamentarischen Demokratie war. Das gilt bis heute. Die Gefahr für die BRD als System ist die Wiederherstellung der deutschen Souveränität, verbunden mit Neutralität und Abzug der Besatzertruppen.

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Auch ein „globaler Herrschaftsanspruch“ kann Hoffmann nicht zugesprochen
werden. Dementgegen möchte er Deutschland unter Anschluß von Österreich und
den „Ostgebieten“ handstreichartig in eine Diktatur verwandeln. Folglich kann die
„Wehrsportgruppe Hoffmann“ als eine der wenigen deutschen rechtsextremistischen Nachkriegsorganisationen als „neofaschistisch“ bezeichnet werden, während der Begriff  „neonazistisch“ zu verwerfen ist.

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Okay, das hätten wir geklärt: Kein Neonazi, aber auch kein Demokrat.

Kein Rassist.

Ende Teil 3.

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Die WSG Hoffmann in der Dissertation von Rainer Fromm, ZDF-NSU-Filmemacher, Teil 2

Gemäß der Fragenliste in Teil 1 fangen wir jetzt einfach an:

1. Was wollte Hoffmann mit seiner WSG überhaupt? Wozu das Ganze?

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In der Einleitung zunächst das nach Aussen getragene Bild:

„Wenn Du Härtetraining statt Gammelei – sportliche Leistung statt Politschwätzerei und echte Kameradschaft suchst, dann komm‘ zu uns in die Wehrsportgruppe!“ (Auszug aus einem Werbeflugblatt der „Wehrsportgruppe Hoffmann“, zit. aus: Rabe 1980, S. 217)
Die Zentralbegriffe der WSG-Propaganda „Härtetraining“ , „sportliche Leistung“
und „echte Kameradschaft“ verfehlen ihre Wirkung nicht. Jugendliche aus allen
sozialen Schichten, militärisch begeistert und mehr oder minder an rechtsextremen Vorstellungen orientiert, fühlen sich angesprochen. In wenigen Jahren gelingt es der WSG, zur größten und einflußreichsten Wehrsportgruppe der BRD zu werden und einige Hundert „Kämpfer“ um sich zu scharen: 400 zählen die Verfassungsschützer im Jahre 1978 (Verfassungsschutzbericht des Bundes 1978, S. 44), von 600 spricht gar Peter Dudek. (Dudek 1985, S. 156) Bis zu ihrem Verbot
am 30.1.1980 avanciert sie laut Bundesinnenministerium zur größten deutschen
Neonazigruppe. (vgl. Verfassungsschutzbericht des Bundes 1979, S. 30)

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Hoffmann selbst weist darauf hin, dass es keine „verbindende Ideologie“ gegeben habe, sondern auch Linke und Kommunisten Mitglied gewesen seien. Es hätten auch keine ideologischen Schulungen stattgefunden. „Uniform ging, weil das Tragen nur dann verboten gewesen wäre, wenn damit einer gemeinsamen Gesinnung Ausdruck verliehen worden wäre“, so Hoffmann sinngemäß. Das sei jedoch nicht der Fall gewesen.

Fromm:

Die kritische Öffentlichkeit hat immer wieder die „jahrelange Verharmlosung und
Unterschätzung paramilitärischer Wehrsportgruppen wie neonazistischer Kadergruppen“ (Dudek 1985, S. 160) beklagt

Er sagt „kritisch“ und meint links.

Fromm:

Eine Reihe ehemaliger WSG-Streiter steigt in den Rechtsterrorismus ein. Außerdem findet die Hoffmann-Gruppe nach ihrem Verbot zahlreiche Nachahmer. Für viele dieser Organisationen hat die Hoffmann-Truppe noch immer Vorbildcharakter, da sie als erste Wehrsportgruppe nach 1945 ideologisch und organisatorisch in die rechtsextremistische und neonazistische Szene eingebunden ist

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Auf Seite 2 der Einleitung sind die Würfel bereits gefallen: Eine neonazistische Organisation. Der Tenor beim Rest der 500 Seiten ist damit sicher voraussagbar?

Wir sind also gezwungen, Frage 2 jetzt schon mit zu betrachten:

2. Ist die WSG eine Neonaziorganisation gewesen?

Fromm:

Trotz der Bedeutung der „Wehrsportgruppe Hoffmann“ vor und nach ihrem Verbot für das rechtsextreme Lager und für Rechtsterroristen steht eine adäquate wissenschaftliche Aufarbeitung der Aktivität der Organisation bislang aus. Kapitel 2 resümiert zum einen den Stand der Forschung zur WSG und zum anderen zum Rechtsterrorismus in Deutschland, da insbesondere nach dem WSG-Verbot 1980
zahlreiche WSG-Männer in den Terrorismus abgleiten.

Wer da genau aus dem Kreis der WSG in den Terror abgeglitten sein soll, das müssen wir im Hinterkopf behalten. Man darf gespannt sein.

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In der Presse wird die „Wehrsportgruppe Hoffmann“ häufig als „neonazistisch“
oder „neofaschistisch“ bezeichnet. Der Bundesinnenminister erklärt sie zur
„stärkste(n) neonazistische(n) Organisation“. (Verfassungsschutzbericht des Bundes 1979, S. 30) Kapitel 4 soll der Klärung dieser „Etikette“ dienen. Zunächst stelle ich Kriterien für die Begriffe „Rechtsextremismus“, „Rechtsradikalismus“, „Neonazismus“, „Neofaschismus“ und „Rechtsterrorismus“ zusammen. Die Konfrontation von Äußerungen und Aktionen der WSG mit diesen Merkmalen ermöglicht eine begründete Einordnung der Organisation

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Es scheint die Befassung mit Kapitel 4 geboten. „Begründete Einordnung“, das klingt gut. Äußerungen und Aktionen der WSG, die sicher eine gute Begründung ermöglichen.

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 Kapitel 9 beleuchtet die Rekrutierungsfelder der WSG, darunter die Neonaziszene und die Militaria-Fans. Außerdem analysiere ich die Mitgliederstruktur der „Wehrsportgruppe Hoffmann“, ihre interne Organisation und Verbreitung im Bundesgebiet sowie Bewaffnung und Finanzierung, die zum Teil der „Freundeskreis zur Förderung der Wehrsportgruppe Hoffmann“ leistet. Die Merkmale des Mitgliedschaftsprofils – Geschlechterverteilung, Altersdurchschnitt und regionale Verteilung im Bundesgebiet – wurden auf der Grundlage der Daten der 58 WSG Anhänger ermittelt, die in die polizeilichen Untersuchungen nach dem Oktoberfestattentat einbezogen wurden.

Klingt spannend. Sind 58 repräsentativ für 400-600? Wir werden sehen…

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Wie wurde die WSG so schnell derart groß?

Durch die Medien!

„Heil Hoffmann“… Mit dieser Grußformel überschreibt der ‚Stern‘ im Februar 1974
den Bericht über die „Bewegung“ des „Schildermalers, Schloßherrn und selbsternannten Hauptmanns“ Karl-Heinz Hoffmann! . Der Artikel macht die Truppe, die
damals keine 100 Mitglieder haben dürfte, bekannt.

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Zu Hoffmann:

Zwischenablage06

Seite 21. Früh-Hippie Hoffmann…

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Waffenverstoß Türkei 1963? 

Hoffmann bietet dazu:

http://www.karl-heinz-hoffmann.com/wikipedia.html

dort weitere Schriftstücke. Ganz schwach recherchiert, NSU-Experte Fromm!

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Den „Stand der Forschung“ dokumentiert Fromm jedoch gründlich, Beispiel:

Dem Reiz, den die WSG besonders auf Jugendliche ausübt, spürt auch Rabe Rabe 1980) nach. Er will in seiner Dokumentation über rechtsextreme Jugendliche „Gespräche mit Verführern und Verführten“ führen – ein Anspruch, den er einlöst.

Als einziger Autor publiziert er ein ausführhches Intervtew mit Hoffmann. (Rabe 1980, S. 195 – 215) Rabes Analyse von Hoffmanns Äusserungen liefert eine differenzierte Einschätzung von dessen Ideologie. Sein Ergebnis widerspricht im übrigen der Einschätzung der Verfassungsschutzbehörden, die der
WSG gern das Etikett „Neonazismus“ aufkleben: „Hoffmann mag zwar in Hitler
eine imponierende Person sehen, seine Truppe mit dem Totenkopfder Waffen-SS
ausstaffiert haben, dennoch ist er kein Verfechter einer Wiedergeburt des Natio-
nalsozialismus .“ (Rabe 1980, S. 216)

Kein Nazi alter Prägung also, interessant.

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 … Erkenntnis, die Wehrsportgruppen könnten nicht isoliert gesehen werden. „Doppelmitgliedschaften beispielsweise in ‚Wehrsportgruppen‘, der ‚Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei‘ oder der NSDAP-AO sind an der Tagesordnung.“ (Huhn/Meyer 1986, S. 119)

Kaserniert war die WSG nicht, eher eine Wochenendveranstaltung. Ob der Einfluss Hoffmanns daher wirklich stark prägend war, da hatte ich immer schon so meine Zweifel. Mein Ding wäre Unterordnung eh nicht gewesen…

 zutreffende Kurzcharakterisierung von Wehrsportgruppen. Diese „zeichnen sich durch überhöhten Führerkult, unbedingten Gehorsam gegenüber Führer und Idee, militärische Disziplin, nationalen Chauvinismus, Antisemitismus und Antikommunismus, Kaderdenken, persönliche Opferbereitschaft und Bejahung von Gewalt – auch gegenüber Abtrünnigen – sowie durch eine innere wie äußere Uniformierung des Lebens aus.“ (Hellfeld 1987, S. 331)

Nix für fatalist, klingt ziemlich verschroben.

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Während die „Antifa“ häufig den Terrorbegriff überstrapaziert, sind rechte Terrorakte für die Fachliteratur lange Zeit überhaupt kein Thema

Darauf kann man sich auch heute noch blindlings verlassen.

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Auch zum Stand der Forschung gehöre das hier:

Im selben Jahr publiziert Friedhelm Neidhardt seine grundlegende Arbeit zum Vergleich links- und rechtsterroristischer Organisationen. Er untersucht Erscheinungsformen und Handlungspotentiale von Gruppierungen, die in den siebziger Jahren bis 1980 als „terroristische Vereinigungen“ aktenkundig werden, auf der
rechten Seite die „Kühnen-Schulte-Wegener-Gruppe“, die „Otte-Gruppe“ und die
„Deutschen Aktionsgruppen“ um den Rechtsanwalt Manfred Roeder. (Neidhardt
1982, S. 444 ff). Seine Analyse:

„Aus einem gestiegenen Gewaltpotential rechtsextremistischer und speziell neonazistischer Kreise hat sich bis heute keine stabile terroristische Bewegung auskristallisiert.
Rechter Terror ist bislang das Werk von Einzeltätern und kleinen lockeren Gruppierungen von nur kurzer Lebensdauer.“ (Neidhardt 1982, S. 443)

Ah ja… was wohl Lothar Schulte dazu meint? Liegt das nicht eher an der Bespitzelung durch V-Leute, dass Terrorgruppen derart kurzlebig sind?

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Ferner liefert Kalinowsky einen detallierten Überblick über rechtsterroristische Handlungsziele. Hier zeigt sich die große Bereitschaft von Rechtsterroristen, auch Anschläge gegen Angehörige der eigenen Szene auszuüben. „Sie knüpfen damit an die Fememorde der Weimarer Zeit an.“ (Kalinowsky 1986, S. 36)

Auch das werden wir im Hinterkopf behalten, und nach Beispielen suchen.

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Das war der „Stand der Forschung“: Hoffmann entwickelte einen Faschismus eigener Prägung, war kein klassischer „3.Reich-Nazi“, und lockte viele Jugendliche und Nationalisten an, mit Hilfe auch und gerade der Medien.

puma

Fromm zeigt auf, wie grottenfalsch viel „Antifa-Gedöns“ auch damals schon war, was ich nicht zitiert habe, da das Niemand überraschen dürfte. Röpke und Gensing hatten natürlich Vorläufer, gelle?

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Es ist jedoch zutreffend, dass die Union (damals noch konservativ…) mit Wehrsport nicht allzuviele Probleme hatte, während die Linken das wesentlich problematischer sahen.

Die Fragen 1 und 2 sind nicht beantwortet, dazu müssen wir erst Kapitel 3 auswerten:

3. Ideologie der Wehrsportgruppe Hoffmann

Das gehen wir Morgen an.

Ende Teil 2

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Die WSG Hoffmann in der Dissertation von Rainer Fromm, ZDF-NSU-Filmemacher, Teil 1

Es wird Zeit, dass wir uns intensiv mit Rainer Fromm und seiner Dissertation befassen:

fromm buch

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Wer ist Dr. Rainer Fromm?

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Bild aus: https://www.youtube.com/watch?v=Hlh76RMyH8s

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Rainer Fromm (* 1965 in Wiesbaden) ist ein deutscher Politikwissenschaftler und Fernsehjournalist.

http://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Fromm

Fromm studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Jura und wurde 1997 an der Universität Frankfurt am Main mit der Dissertation Die „Wehrsportgruppe Hoffmann“. Darstellung, Analyse und Einordnung. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen und europäischen Rechtsextremismus zum Dr. phil. promoviert. Er ist seit mehr als zwanzig Jahren journalistisch für das Fernsehen (ARD, Arte und ZDF) tätig und publizierte in Zeitschriften und als Fachbuchautor mit den Schwerpunkten Rechtsextremismus und Jugendkulturen/Sekten

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Als Fromm seinen Doktor baute, und noch seriös arbeiten musste, 1996-97, da befasste er sich mit der WSG Hoffmann.

Verdammt lang her…

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In den folgenden Teilen dieser kleinen Serie werden wir uns also damit befassen, was der Stand der Forschung ist zu:

1. Was wollte Hoffmann mit seiner WSG überhaupt? Wozu das Ganze?

2. Ist die WSG eine Neonaziorganisation gewesen?

3. Wozu die WSG Ausland im Libanon? Basis für was?

4. Welche Rolle spielen die Geheimdienste dabei?

5. Kommen Werner Mauss, Udo Albrecht, der BND etc überhaupt vor?

6. Was ist mit Hepp, Dupper, Hamberger, Bergmann, was wollten die Badenser dort?

7. Wann kam Spitzel Walter „Felix“ Behle ins Spiel, und wozu?

8. Wer sind die 2 Dutzend Spitzel in der WSG gewesen?

9. Wie waren die Beziehungen zu anderen Nazi-Verbänden?

10. Welche Rolle spielen die DDR-Flüchlinge Schubert, Behrendt, Heinzmann?

11. Welche Rolle spielen Manfred Roeder, Peter Naumann, Heinz Lembke, Heinrich Becker?

12. Was schreibt Fromm zu Gladio? Zu Bologna?  8 Jahre nach dem Auffliegen in Italien?

13. Gab es eine „Daniele Ganser-Geheimarmee“ oder nicht? Wenn ja, auch in der BRD?

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Ende Teil 1

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